Bannerklau

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Version vom 23. November 2007, 15:01 Uhr von Hanuta (Diskussion | Beiträge) (Diskussion und rechtliche Situation)

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Bannerklau ist etwas typisch deutsches: Wenn ein Stamm ein Lager abhält, gibt es nur in Deutschland oder Österreich, wo er als Lagerüberfall bezeichnet wird, den umstrittenen Brauch, dass andere Pfadfinder oder Jugendgruppen versuchen, das Banner des Stammes zu entwenden um es später gegen ein symbolisches "Lösegeld" zurückzutauschen. Dieser Brauch wird von der angreifenden Gruppe keineswegs ein Akt der Feindschaft, sondern viel mehr ein "Spiel" betrachtet um sich an einen der Grundsätze Baden Powells zu erinnern, immer mit wachen Augen durch's Leben zu gehen. Oft wird auch versucht unbemerkt irgendwelche Lagerbauten mit Klopapier einzuwickeln oder die Schuhe der Kinder auf einen Haufen zu werfen etc.. In manchen Bünden wird die Aktion auch einfach als Überfall bezeichnet.

Ausland und ausländische Gäste

Ausländische Gastgruppen in Deutschland, oder Gastgeberländer bewerten den Bannerklau in der Regel als Ehrverletzung und missbilligen ihn entschieden! Dies kann im Ausland bis zum Platzverweis der angreifenden Gruppe führen. Auf Großlagern ist Bannerklau tabu (ungeschriebenes Gesetz), gerade auch um oben beschriebenen Problemen auszustellen.

Diskussion und rechtliche Situation

Rein rechtlich ist der Bannerklau ein Diebstahl, auch wenn eine Lösegeldforderung hinterlassen wird. Dies bedeutet, der bestohlene Stamm kann den Diebstahl bei der Polizei zur Anzeige bringen. Die Lösegeldforderung gilt dann bereits als Geständnis und gibt Hinweise zum Aufgreifen der Täter. Einige Stämme setzten ihr Recht durch eine Anzeige konsequent um, da Bannerklau und andere Lagerüberfälle immer wieder auch die Gesundheit der Lagerteilnehmer gefährden (von Angstpsychose über Körperverletzung bis Todschlag durch z.B. zu Fall gebrachte Lagerbauten, Masten etc.).

Auf vielen offiziellen Pfadfinderplätzen, gibt es bereits Regelungen die den Bannerklau regulieren sollen. So ist er auf manchen Plätzen prinzipiell verboten, oft aber mit vorheriger Absprache mit dem „Kontrahenten“ erlaubt.

Der Bannerklau – außerhalb des rechtlichen Blickwinkels – betrachtet, kann nicht nur im negativen Aspekt gesehen werden, sondern durchaus auch positiv. Gerade für die jüngeren Alterstufen, bietet er ein wahrhaftes Abenteuer, welches sicher lange in Erinnerung bleiben wird, und daher nicht strickt abgelehnt werden sollte.

Um unpassende Gewalt zu vermeiden bieten sich vorher fest abgesprochene Regeln an. Beispielsweise könnten die Gegner einfach durch abklatschen aus dem Spiel ausscheiden. Ist dies auf beiden Seiten vorher vereinbart, und während der Aktion kontrolliert kann der Bannerklau durchaus friedlich ablaufen.

Der Bannerklau sollte stets als Spiel und als sportlichen, abenteuerlichen Wettstreit gesehen werden und nicht als Diebstahl.

Mittlerweile geht die Diskussion sogar soweit, dass in manchen Diözesanverbänden offiziell dazu aufgerufen wird, den Bannerklau als Diebstahl zu betrachten und daher direkt zu ahnden. Kritisch dagegen anzuwenden, ist, dass man als Pfadfinder wohl in der Lage sein sollte mit einander zu reden bevor man rechtliche Schritte einleitet. Man sollte aber auch einsehen, dass man sofort nachgeben muss, wenn der andere Stamm den Bannerklau nicht gutheißt. Wiedersetzt man sich dem, sollte man wirklich rechtliche Schritte einleiten.

Tipps für die Angreifer

  • Der richtige Zeitpunkt für die "Angreifer" ist meist nicht vor Sonnenuntergang, da die Dunkelheit für ein solches Unternehmen die größten Erfolgschancen garantiert. Auch sollte man darauf achten, dass zum Zeitpunkt des Angriffs als Wache möglichst unerfahrenes Personal eingeteilt ist, dass im Ernstfall noch nicht genau weiß, wie es sich zu verhalten hat.
  • Manchmal ist ein Ein-Mann-Kommando am hellichten Tag unauffälliger als ein zehnköpfiges Team in der Nacht.
  • Viele Stämme holen ihre Banner jedoch mit einsetzender Dämmerung nieder, um sie erst am Morgen neu zu hissen.
  • Am Tage sollte das Lager ausgekundschaftet werden, um Gefahrenquellen für beide Seiten auszuschließen.
  • Waffen (Knüppel, Fahrtenmesser, Lange Taschenlampen, Pfannen etc.) verbieten sich von selbst.

Tipp für die Lagerwache

  • Falls die Nachtwache nicht auf Streife ist, sollte sie sich Nachts mit dem Rücken zum Lagerfeuer positionieren: Falls sie nämlich längere Zeit in das Feuer blickt, passen sich die Pupillen der Augen an die kontinuierliche Helligkeit an, so dass die Wache einige Zeit lang fast blind ist, wenn sie plötzlich die Angreifer in der Dunkelheit zu erspähen versucht.
  • Alarmiert das Lager mit viel Lärm: Je schneller die Verteidiger aus den Zelten kommen, desto geringer ist die Erfolgsaussicht der Angreifer.
  • Nachts blenden Hallogen-Strahler die Angreifer kurzfristig und verschaffen den Verteidigern Zeit.
  • Lernt möglichst alle Lagerteilnehmer kennen, damit ihr Fremde erkennt.
  • Waffen (Knüppel, Fahrtenmesser, Lange Taschenlampen, Pfannen etc.) verbieten sich von selbst.