Barett

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Pfadfinder mit rotem Barett mit Seitenschlag
Karl Oelbermann, 2. Nerother-Bundesführer mit achteckigem Barett
Karl Oelbermann (links) mit achteckigem Nerother-Barett und Karl Fischer (rechts) mit Seitenschlagbarett der Vaganten
Das Barett ist eine flache Kopfbedeckung ohne Schirm oder Krempe aus weichem Textil. Das Barett ist etwa seit dem 15. Jahrhundert bekannt und wurde als Zeichen besonderen, meist gebildeten Standes, getragen. Es hat, oft mit einer Farbsymbolik, Eingang in die Pfadfinder- und Wandervogelszene gefunden.

Laut einiger Quellen war es die Kopfbedeckung für mittelalterliche Vaganten (lat.=Umherziehende, auch Pachanten), also Schüler und Studenten, welche von Universität zu Universität zogen. (Damit ist auch der Bezug zu Wandervögeln nach Karl Fischer hergestellt, der sich als Vorbild die fahrenden Schüler des Mittelalters gewählt hatte.) Während der Landsknechtszeit wieder in Mode gekommen, wurde es später auch von Bürgern oder auch Martin Luther getragen. Seit dem zweiten Weltkrieg ist es im militärischen Bereich weit verbreitet.

Im jugendbewegten, vor allem bündischen Bereich werden gerne achteckige Samtbaretts getragen, wie sie im Nerother Wandervogel in der Silvesternacht 1919/20 eingeführt wurden. Angeblich war es ab etwa 1930 in der CPD verbreitet, sechseckige dunkelblaue Cordbaretts zu tragen.

Im scoutistischen Bereich werden teilweise die vom Militär bekannten, runden Filzbarette mit Seitenschlag getragen; meist in den Farben rot oder schwarz.

Das Barett wird gerne mit Bundesnadeln, Bundeszeichen, Wappen oder Federn geschmückt. Die ähnliche Baskenmütze ist sehr selten in Gebrauch. Jungenschaften bevorzugen Schiffchen.

Im eisbrecher 01/08 steht: "[...] Wer ein [eckiges] Barett trägt, will sich damit meist zu einer ganz bestimmten Richtung jugendbewegten Lebens bekennen: Seht her, ich vertrete das vagantenhafte Fahrtenerlebene der frühen Wandervögel, das musische und kulturelle Schaffen eines Nerother-Bundes oder Zugvogels. Bewusst oder unbewusst ordnet sich der derart Kopfbedeckte dem traditionellen Flügel der Szene zu und weckt bei Beobachtern wahlweise Erwartungen oder Befürchtungen [...]."


Vorteile des Baretts

  • schützt vor Sonnenstich
  • sieht, auf dem Hinterkopf getragen, sehr modisch aus
  • bei Nichtgebrauch sehr schnell zu verpacken (im Gegensatz zum Pfadfinderhut)

Nachteile des Baretts

  • wirkt etwas militärisch
  • mit Seitenschlag schützt es nur ein Ohr vor der Sonne
  • Regenschutz ist nicht ganz so gut wie beim Pfadfinderhut

Besonderheiten im Nerother Wandervogel

Im Nerother Wandervogel wurden die Farben der Barette sehr bewußt gewählt. Rot und Blau, die Bundesfarben, stehen für Freundschaft und Treue. Gemäß ihres Standes tragen Knappen ein blaues und Ritter ein rotes Barett. Bestätigte Führer tragen rote bzw. blaue Kordeln um den Saum, wobei Barett- und Kordelfarbe invers sind. Nerother tragen üblicherweise ihr Barett "schief überm Ohr". Die achteckige Form hat keine besondere Bedeutung, außer dass es sich so mit angemessenem Aufwand herstellen läßt. Diese nerothane Form wird bis heute gerne kopiert.

Gerade im Nerother Wandervogel, bei dem das rote Barett ein Zeichen für den Stand des Ritters (=Führer einer Gruppe) ist, wird es ungern gesehen, wenn andere Bünde diese Symbolik aus ihrer Sicht entwerten (z.B. Pfadfinderstamm mit roten Samtbaretts - selbst bei Wölflingen). Angeblich soll es in diesem Zusammenhang schon zu Handgreiflichkeiten gekommen sein (Meißnerlager 1988).

In Anbetracht der Tradition im Nerother Bund hatte Karl Oelbermann (zweiter Bundesführer des NWV) bereits 1932 einen "Aufruf an die Bünde" gemacht und gefordert nicht "unter falscher Flagge zu fahren". 1954 wurde dieser wiederholt. Kajus Roller, der Bundesfeldmeister des Bund Deutscher Pfadfinder versicherte Oelb daraufhin, daß er sich darum im BDP kümmern wolle.

Besonderheiten im Zugvogel

Im Zugvogel werden grüne Barette mit sechs Ecken, üblicherweise auf dem Hinterkopf, getragen. Die sechs Ecken stehen für die sechs Säulen des Bundes: Wahrheit, Ehre, Freiheit, Gerechtigkeit, Ritterlichkeit und Große Fahrt.

Besonderheiten in der Pfadfinderschaft Grauer Reiter

Karl Oelbermann übergab Schnauz (Erich Mönch) beim zweiten ÜT (Überbündischen Treffen) auf Burg Waldeck, welches vom Grauen Reiter und vom Nerother Wandervogel ausgerichtet wurde, ein schwarzes achteckiges Barett. Dies geschah aus der Freundschaft der beiden Bünde heraus und weil der Graue Reiter auch gerade Burgbesitzer wurde. Heute werden die Barette in den Gruppenstunden aus schwarzem Samt oder Cord selbst gemacht.

Bünde, in denen das Barett üblich ist

Desweiteren sieht man das Barett auch in anderen Bünden, dort allerdings ist es nicht gebräuchlich sondern wohl eher aus der Laune des Trägers heraus.

Bünde, in denen das Barett üblich war