Burg Waldeck: Unterschied zwischen den Versionen

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Die ''Burg Waldeck'' (die heutige Unterburg) wurde erstmalig 1042 erwähnt. Im Jahr 1242 wurde sie von den Pfalzgrafen unter anderem dem kölnischen Erzbischof zum Lehen gegeben. Um 1250 wurde erstmals eine Unterburg erwähnt, die heute nicht mehr sichtbar ist. Wegen Unstimmigkeiten mit den Burgherren nahm 1398 der Pfalzgraf und spätere König Ruprecht I. die Burg ein, erwarb käuflich große Teile der Anlage und errichtete einen neuen „Turm auf dem Halse“, die heutige Oberburg. 1689 wurde Burg Waldeck im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört. Etwa um 1720 ließ der Eigentümer Freiherr von Boos-Waldeck  die heutige Ruine größtenteils planieren und darauf ein Jagdschloss errichten. 1833 wurde dieses Schloss zum Abbruch verkauft, worauf auch das ausgeschlachtete Schlossgebäude verfiel. Um 1910 wurde Burg Waldeck wie die nahegelegene Rauschenburg von [[Wandervogel|Wandervögeln]]  als Fahrtenziel entdeckt. 1920 entdeckten sie die [[Brüder Oelbermann]] und Kurt Lorenz als mögliche Rheinische [[Jugendburg]]  und Sitz für den dann neugegründeten [[Nerother Wandervogel]] und erwarben die Burg ab 1922. Die ''Burg Waldeck'' entwickelte sich nun zum „Nabel der Welt“, der neben begeisterten Wandervögeln und Bündischen viele bedeutende Menschen, wie Gustav Wyneken (umstrittener Reformpädagoge), Rabindranath Tagore (Nobelpreisträger für Literatur 1913 und Schöpfer der indischen Nationalhymne), [[Karl Fischer]] und Romain Rolland (Nobelpreisträger für Literatur 1915) anzog. Von 1927 bis 1933 lebte [[Werner Helwig]] in einer selbstgebauten Hütte auf ''Burg Waldeck'' und schuf dort unter anderem Vertonungen von Gedichten von Berthold Brecht. Die [[Nerother Wandervogel|Nerother]] unternahmen von ''Burg Waldeck'' aus Fahrten in alle Welt und drehten dabei auch Kulturfilme für die UFA. Das Säulenhaus (heute im Besitz der ABW) wurde 1930 eingeweiht. 1933 wurde der [[Nerother Wandervogel]] von den Nationalsozialisten verboten und der ''"Trägerverein Bund zur Errichtung einer Rheinischen Jugendburg“'' wandelte sich 1934 zur ''Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck'', musste sich 1935 aber ebenfalls auflösen und die gesamte Liegenschaft wurde beschlagnahmt. 1941 kam [[Robert Oelbermann]] im KZ Dachau ums Leben. Bereits 1945, direkt nach dem Krieg, kehrten die Überlebenden zurück. Dabei kam es zu Spannungen.  Die einen wollten mit dem wieder gegründeten Verein ''Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck e.V.'' (ABW) einen Ort der gelebten Toleranz und der internationalen Jugendbegegnung schaffen, während die anderen in ungebrochener Tradition an der [[Jugendburg]] festhielten. 1950 kehrte [[Karl Oelbermann]], der in Südafrika überlebt hatte, zurück auf die Waldeck und übernahm die Bundesführung und gleichzeitig den Ehrenvorsitz des ABW. 1954 wurden die seit 1933 brachliegenden Baumaßnahmen in bescheidenerem Maße wieder aufgenommen. Er beanspruchte für den [[NWV]] das alleinige Haus- und Eigentumsrecht, was schließlich zur Spaltung zwischen den ABW und den Nerothern und ab 1957 zum Prozess führte. 1964 veranstaltete der ABW das „deutsche Woodstock“, den ''„Chanson Folklore International“'', aus dem z.B. ''Reinhard Mey'' hervorgingen, und dem bis 1969 weitere Festivals folgten. 1970 feierte der NWV das Richtfest des Diensthauses. Mitte der 70er Jahre endete der Prozess um die Eigentumsverhältnisse zugunsten der ABW, der das Gelände oberhalb der Burg zugesprochen wurde und der seit den 50er Jahren zahlreiche kleine Gebäude errichtete, darunter die Salamanderhütte und später auch das Strohballenhaus. 1974 begannen einige Nerother, unter  ihnen [[Alexej Stachowitsch]]  mit der Idee einer „Bündischen Akademie“ eine weitere [[Jugendburg]], [[Burg Balduinstein]], auch als Gegenpol zu lustiger Nerotherei, aufzubauen. [[Karl Oelbermann]], der Bundesführer besuchte diesen „Ableger“  und erteilte seinen Segen, bevor er noch im gleichen Jahr verstarb. 1986 feierte der NWV das Richtfest für die ''Jugendbleibe'' und 1998 für die ''Burgkapelle''. Direkt vor der heutigen Oberburg hat der [[NWV]] den ''Ehrenhain der deutschen Jugendbewegung'' eingerichtet, wo wichtige Persönlichkeiten aus [[Wandervögel|Wandervogel]], [[bündisch|Bündischen]], [[Jungenschaft|Jungenschaften]] und Pfadfindertum mit einem Gedenkstein geehrt werden.
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Die ''Burg Waldeck'' (die heutige Unterburg) wurde erstmalig 1042 erwähnt. Im Jahr 1242 wurde sie von den Pfalzgrafen unter anderem dem kölnischen Erzbischof zum Lehen gegeben. Um 1250 wurde erstmals eine Unterburg erwähnt, die heute nicht mehr sichtbar ist. Wegen Unstimmigkeiten mit den Burgherren nahm 1398 der Pfalzgraf und spätere König Ruprecht I. die Burg ein, erwarb käuflich große Teile der Anlage und errichtete einen neuen „Turm auf dem Halse“, die heutige Oberburg. 1689 wurde Burg Waldeck im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört. Etwa um 1720 ließ der Eigentümer Freiherr von Boos-Waldeck  die heutige Ruine größtenteils planieren und darauf ein Jagdschloss errichten. 1833 wurde dieses Schloss zum Abbruch verkauft, worauf auch das ausgeschlachtete Schlossgebäude verfiel. Um 1910 wurde Burg Waldeck wie die nahegelegene Rauschenburg von [[Wandervogel|Wandervögeln]]  als Fahrtenziel entdeckt. 1920 entdeckten sie die [[Brüder Oelbermann]] und Kurt Lorenz als mögliche Rheinische [[Jugendburg]]  und Sitz für den dann neugegründeten [[Nerother Wandervogel]] und erwarben die Burg ab 1922. Die ''Burg Waldeck'' entwickelte sich nun zum „Nabel der Welt“, der neben begeisterten Wandervögeln und Bündischen viele bedeutende Menschen, wie Gustav Wyneken (umstrittener Reformpädagoge), Rabindranath Tagore (Nobelpreisträger für Literatur 1913 und Schöpfer der indischen Nationalhymne), [[Karl Fischer]] und Romain Rolland (Nobelpreisträger für Literatur 1915) anzog. Von 1927 bis 1933 lebte [[Werner Helwig]] in einer selbstgebauten Hütte auf ''Burg Waldeck'' und schuf dort unter anderem Vertonungen von Gedichten von Berthold Brecht. Die [[Nerother Wandervogel|Nerother]] unternahmen von ''Burg Waldeck'' aus Fahrten in alle Welt und drehten dabei auch Kulturfilme für die UFA. Das Säulenhaus (heute im Besitz der ABW) wurde 1930 eingeweiht. 1933 wurde der [[Nerother Wandervogel]] von den Nationalsozialisten verboten und der ''"Trägerverein Bund zur Errichtung einer Rheinischen Jugendburg“'' wandelte sich 1934 zur ''Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck'', musste sich 1935 aber ebenfalls auflösen und die gesamte Liegenschaft wurde beschlagnahmt. 1941 kam [[Robert Oelbermann]] im KZ Dachau ums Leben. Bereits 1945, direkt nach dem Krieg, kehrten die Überlebenden zurück. Dabei kam es zu Spannungen.  Die einen wollten mit dem wieder gegründeten Verein ''Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck e.V.'' (ABW) einen Ort der gelebten Toleranz und der internationalen Jugendbegegnung schaffen, während die anderen in ungebrochener Tradition an der [[Jugendburg]] festhielten. 1950 kehrte [[Karl Oelbermann]], der in Südafrika überlebt hatte, zurück auf die Waldeck und übernahm die Bundesführung und gleichzeitig den Ehrenvorsitz des ABW. 1954 wurden die seit 1933 brachliegenden Baumaßnahmen in bescheidenerem Maße wieder aufgenommen. Er beanspruchte für den [[NWV]] das alleinige Haus- und Eigentumsrecht, was schließlich zur Spaltung zwischen den ABW und den Nerothern und ab 1957 zum Prozess führte. 1964 veranstaltete der ABW das „deutsche Woodstock“, den ''„Chanson Folklore International“'', aus dem z.B. ''Reinhard Mey'' hervorgingen, und dem bis 1969 weitere Festivals folgten. 1970 feierte der NWV das Richtfest des Diensthauses. Mitte der 70er Jahre endete der Prozess um die Eigentumsverhältnisse zugunsten der ABW, der das Gelände oberhalb der Burg zugesprochen wurde und der seit den 50er Jahren zahlreiche kleine Gebäude errichtete, darunter die Salamanderhütte und später auch das Strohballenhaus. 1974 begannen einige Nerother, unter  ihnen [[Alexej Stachowitsch]]  mit der Idee einer „Bündischen Akademie“ eine weitere [[Jugendburg]], [[Burg Balduinstein]], auch als Gegenpol zu lustiger Nerotherei, aufzubauen. [[Karl Oelbermann]], der Bundesführer besuchte diesen „Ableger“  und erteilte seinen Segen, bevor er noch im gleichen Jahr verstarb. 1986 feierte der NWV das Richtfest für die ''Jugendbleibe'' und 1998 für die ''Burgkapelle''. Direkt vor der heutigen Oberburg hat der [[NWV]] den ''Ehrenhain der deutschen Jugendbewegung'' eingerichtet, wo wichtige Persönlichkeiten aus [[Wandervogel|Wandervögeln]], [[bündisch|Bündischen]], [[Jungenschaft|Jungenschaften]] und Pfadfindertum mit einem Gedenkstein geehrt werden.
  
 
==Infos für Besucher==
 
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Version vom 6. Juni 2007, 15:54 Uhr

Oberburg, Bundessitz des Nerother Wandervogel
Blick von der Ruine zur Oberburg
Unterburg
Gelände des ABW oberhalb der Burg, rechts: das Säulenhaus

Burg Waldeck nahe Dorweiler/Hunsrück ist heute eine zweigeteilte Anlage. Das vor der Oberburg gelegene Gelände mit zahlreichen Gebäuden ist der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck e.V. (ABW) zugesprochen, während die direkt angrenzende Oberburg und die etwas hangabwärts gelegene Ruine dem Nerother Wandervogel gehört und dessen Bundessitz verkörpert.

Geschichtliches

Die Burg Waldeck (die heutige Unterburg) wurde erstmalig 1042 erwähnt. Im Jahr 1242 wurde sie von den Pfalzgrafen unter anderem dem kölnischen Erzbischof zum Lehen gegeben. Um 1250 wurde erstmals eine Unterburg erwähnt, die heute nicht mehr sichtbar ist. Wegen Unstimmigkeiten mit den Burgherren nahm 1398 der Pfalzgraf und spätere König Ruprecht I. die Burg ein, erwarb käuflich große Teile der Anlage und errichtete einen neuen „Turm auf dem Halse“, die heutige Oberburg. 1689 wurde Burg Waldeck im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen zerstört. Etwa um 1720 ließ der Eigentümer Freiherr von Boos-Waldeck die heutige Ruine größtenteils planieren und darauf ein Jagdschloss errichten. 1833 wurde dieses Schloss zum Abbruch verkauft, worauf auch das ausgeschlachtete Schlossgebäude verfiel. Um 1910 wurde Burg Waldeck wie die nahegelegene Rauschenburg von Wandervögeln als Fahrtenziel entdeckt. 1920 entdeckten sie die Brüder Oelbermann und Kurt Lorenz als mögliche Rheinische Jugendburg und Sitz für den dann neugegründeten Nerother Wandervogel und erwarben die Burg ab 1922. Die Burg Waldeck entwickelte sich nun zum „Nabel der Welt“, der neben begeisterten Wandervögeln und Bündischen viele bedeutende Menschen, wie Gustav Wyneken (umstrittener Reformpädagoge), Rabindranath Tagore (Nobelpreisträger für Literatur 1913 und Schöpfer der indischen Nationalhymne), Karl Fischer und Romain Rolland (Nobelpreisträger für Literatur 1915) anzog. Von 1927 bis 1933 lebte Werner Helwig in einer selbstgebauten Hütte auf Burg Waldeck und schuf dort unter anderem Vertonungen von Gedichten von Berthold Brecht. Die Nerother unternahmen von Burg Waldeck aus Fahrten in alle Welt und drehten dabei auch Kulturfilme für die UFA. Das Säulenhaus (heute im Besitz der ABW) wurde 1930 eingeweiht. 1933 wurde der Nerother Wandervogel von den Nationalsozialisten verboten und der "Trägerverein Bund zur Errichtung einer Rheinischen Jugendburg“ wandelte sich 1934 zur Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck, musste sich 1935 aber ebenfalls auflösen und die gesamte Liegenschaft wurde beschlagnahmt. 1941 kam Robert Oelbermann im KZ Dachau ums Leben. Bereits 1945, direkt nach dem Krieg, kehrten die Überlebenden zurück. Dabei kam es zu Spannungen. Die einen wollten mit dem wieder gegründeten Verein Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck e.V. (ABW) einen Ort der gelebten Toleranz und der internationalen Jugendbegegnung schaffen, während die anderen in ungebrochener Tradition an der Jugendburg festhielten. 1950 kehrte Karl Oelbermann, der in Südafrika überlebt hatte, zurück auf die Waldeck und übernahm die Bundesführung und gleichzeitig den Ehrenvorsitz des ABW. 1954 wurden die seit 1933 brachliegenden Baumaßnahmen in bescheidenerem Maße wieder aufgenommen. Er beanspruchte für den NWV das alleinige Haus- und Eigentumsrecht, was schließlich zur Spaltung zwischen den ABW und den Nerothern und ab 1957 zum Prozess führte. 1964 veranstaltete der ABW das „deutsche Woodstock“, den „Chanson Folklore International“, aus dem z.B. Reinhard Mey hervorgingen, und dem bis 1969 weitere Festivals folgten. 1970 feierte der NWV das Richtfest des Diensthauses. Mitte der 70er Jahre endete der Prozess um die Eigentumsverhältnisse zugunsten der ABW, der das Gelände oberhalb der Burg zugesprochen wurde und der seit den 50er Jahren zahlreiche kleine Gebäude errichtete, darunter die Salamanderhütte und später auch das Strohballenhaus. 1974 begannen einige Nerother, unter ihnen Alexej Stachowitsch mit der Idee einer „Bündischen Akademie“ eine weitere Jugendburg, Burg Balduinstein, auch als Gegenpol zu lustiger Nerotherei, aufzubauen. Karl Oelbermann, der Bundesführer besuchte diesen „Ableger“ und erteilte seinen Segen, bevor er noch im gleichen Jahr verstarb. 1986 feierte der NWV das Richtfest für die Jugendbleibe und 1998 für die Burgkapelle. Direkt vor der heutigen Oberburg hat der NWV den Ehrenhain der deutschen Jugendbewegung eingerichtet, wo wichtige Persönlichkeiten aus Wandervögeln, Bündischen, Jungenschaften und Pfadfindertum mit einem Gedenkstein geehrt werden.

Infos für Besucher

Die Ruine (Unterburg) ist durch Wanderwege aus dem Tal tagsüber frei zugänglich, ist aber stark von weiterem Verfall bedroht. Zwei Gebäude sind abgesperrt und werden vom NWV genutzt. Sporadisch sind dort auch Nerother Schwarzzeltvölker anzutreffen, die vor allem einzelnen Reisenden und Interessierten sehr freundlich gesinnt sind.

Literatur

  • Nerohm: Die letzten Wandervögel: Burg Waldeck und die Nerother. Geschichte einer Jugendbewegung (2002) ISBN 3-88778-197-X
  • Hotte Schneider: Die Waldeck. Lieder, Fahrten, Abenteuer. Die Geschichte der Burg Waldeck von 1911 bis heute (2005) ISBN 3-935035-71-3
  • Werner Helwig: Die Blaue Blume des Wandevogels (1969/1998) ISBN 3-88778-208-9

Weblinks