Dj.1.11

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Die dj.1.11 (Deutsche Jungenschaft vom 1. November 1929) war eine Gruppe, die in ihrer kurzen Existenz von etwa 3 Jahren bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten bahnbrechend und mit ungeheurer Durchschlagskraft die 3.Welle der Jugendbewegung auslöste. Der dj.1.11 verdanken wir die Einführung der Kohte und damit der Modulzelte, der Juja, der Balalaika und des Banjos als bündische Instrumente, der asiatischen Philosophien (vor allem dem Zen-Buddhismus), von russischem und kosakischem Liedgut, Pelzmützen, der Rubaschka (russische Feldbluse), einen neuen Graphikstil von pauli und vieles mehr. Gründer und geistiges Oberhaupt war Eberhard Koebel (tusk).

Geschichtliches

Die älteste verfolgbare Wurzel der dj.1.11 geht etwa in das Jahr 1924/1925 zurück. Eberhard Koebel, damals Wandervogel in einem nationalistisch ausgerichteten Splitterbund, dem Deutsch-Wandervogel, beschrieb von seinen damaligen Führer, den er namentlich nicht erwähnte, folgendes: „Er ließ und irren und suchen, kämpfen und zweifeln. Er meinte, so müsse der junge Mensch aufwachsen, ringend, zweifelnd. [...] Eine Zeitlang hielt uns die Spannung in Schach: Was ist eigentlich mit ihm, was steckt in ihm, was denkt er? Aber die lange Zeit macht Mißtrauen daraus. Er hätte uns alles sagen sollen. [..] (Er) hatte einen klugen Kopf, aber keine Rednergabe. Er konnte uns nicht überzeugen oder wollte es gar nicht. Das war sein Fehler. Erst Jahre, nachdem wir uns von ihm getrennt hatten, gab ich ihm heimlich Recht. Es war zu spät".

Eine seiner Konsequenzen lautete: „So führt man Jungen: Was man weiß, muß man ihnen sagen. Was man kann, muß man sie lehren. In alle Kämpfe muß man sie mitnehmen. Jungen darf man nicht bewahren und wachsen lassen. Es gibt tausend verschiedene Möglichkeiten heranzuwachsen. Der Zufall schafft keine Helden".

An dieser Stelle kam es nun zu einer bemerkenswerten Parallele zur späteren Geschichte: Der beschriebene Führer trat angeblich in eine sozialistische Hundertschaft ein, was die im obigen Zitat angedeutete Trennung von ihm bewirkte. In seiner Wandervogelgruppe, die er nach späteren Maßstäben als wenig taugend, aber damals beste Alternative bewertete, fiel Eberhard Koebel ein Exemplar der Führerzeitschrift des Bundes in die Hände, von welcher er den Satz „Wir sind dem Wandervogel dankbar, daß er uns durch die Entwicklungsjahre geführt hat" besonders richtig empfand. Als weiteren prägenden Menschen erwähnte er seinen damals jungen Geschichtslehrer namens „Sparta", der mit seinen Vorträgen Besitz von anderen ergreifen, die 18- und 19jährigen stundenlang aufmerksam halten konnte und ein Gesicht ohne Trägheit besaß. Eberhard Koebel begab sich nach bestandenem Schulabschluss auf eine mehrmonatige, prägende Lapplandfahrt, bei der er die Natur als eine Art Gegenwelt erlebte, gegen die sich der Mensch heroisch zu behaupten hat. Hier kam es auch zu einer Selbstfindung, bei der er die Samen (Lappen) als „edle Wilde" erleben durfte und feststellte, dass ihn auf Fahrt nicht die politischen, sondern eher die religiösen und philosophischen Fragen beschäftigten. Das ist auch der Grund, weshalb Eberhard Koebel, der von den Lappen den Fahrtenamen tusk (der Deutsche) erhielt, im Zusammenhang mit der Jugendbewegung gerne als unpolitischer Mensch gesehen wurde und wird. All das Erlebte und Erfahrene wollte er nun in den Wandervogel, der sich inzwischen mit anderen Gruppierungen, z.B. Pfadfindern, in der Deutschen Freischar zusammengeschlossen hatte, einbringen. Dazu wollte er die Stuttgarter Gruppen des Jungenbundes zu einem Kreis zusammenfügen und deren Kreisführer werden, was auch mit Widerstand gelang. Zum Osterlager des Gaues 1928 wuchsen die 5 Stuttgarter Gruppen zur Freude des Gauführers Walter Kern (Zäpfle) zusammen. tusk kommentierte das mit: „Wir stehen erst am Anfang! [...] verbessert euch!". Nach dem Osterlager wurde die erste Kohte aus Bambusstäben und farbigem Segeltuch gebaut. Prophetisch meinte tusk: „Tage werden kommen, an denen die Kohtendörfer rauchen". Diese Kohte wurde beim Pfingstlager der Deutschen Freischar, Gau Schwaben auf der Kollenburg im Spessart bei Dorfprozelten aufgestellt; das Auftreten der Jungenschaft (in diesem Zusammenhang als Altersstaffelung zu sehen) war diszipliniert und in einheitlicher Tracht. Hier wurde tusk das erste Mal auf Romin Stock aus Mannheim aufmerksam, der später der zweite Gründungsvater der dj.1.11 werden sollte. Kurz darauf kam es zur ersten Reiberei. Zusammen mit einer berliner und einer hamburgischen Gruppe sollten die Schwaben auf das große Luxemburger Zeltlager zu fahren. Die Berliner forderten als führende Gruppe die Schwaben auf, Halstücher zu tragen und forderten die Kohte für sich und ihre Gäste. Die Schwaben trugen dann zwar Halstücher, die Kohte rückten sie aber nicht heraus. Am Abend beschwerten sich die Belgier über schwarz-weiß-rote Flagge (Handelsflagge), worauf ein luxemburgischer Pfadfinder den Chef der deutschen Abordnung aufforderte, selbige zu entfernen und durch die schwarz-rot-goldene Flagge zu ersetzen. Als das tatsächlich geschah, brachen die Schwaben unter Protest ihr Lager ab und marschierten unter Ehrengeleit der Franzosen, die sich hinter die Schwaben stellten, bis an den Bahnhof. tusk kommentierte das mit: „Die Jugend muß ihrer Überzeugung folgen. Die Jugend muß kämpfen. [...] Heraus aus dem Sumpf!". Ernst Buske, der neue Bundesführer der Deutschen Freischar, erteilte tusk einen Verweis, was dieser freudig zur Kenntnis nahm, da Buske offensichtlich nicht gleichgültig war. In diese Zeit fiel auch die Idee, eine Jungenzeitschrift herauszubringen, die sich über ganz Deutschland verteilt und monatlich erscheine. Dies wurde in den Briefen verwirklicht. Zäpfle, der Gauführer, zeigte sich nicht angetan. Darauf wurden die Methoden hemmungsloser. Als Zäpfle die Gauführung studienhalber ablegen musste, forderte tusk diese im revolutionären Akt ein, worauf sich einige abwandten; darunter auch Romin. Zum Bundestag 1929 marschierte der Gau Schwaben, wie tusk festhält, ohne Jugendbewegungsverteran in die Elbwälder, wo sich 3000 Jungen aus dem ganzen Reich und Österreich trafen. Tusk warf Ernst Buske im Nachhinein Versagen vor, da dieser nicht zur Aktion aufrief, sondern nur wehmütige Erinnerungen ins Feuer murmelte. Tusk war nun bereit auch gegen Buske die Initiative zu ergreifen und nannte es eine Tragödie, es nicht auf dem Bundestag getan zu haben. Die Führung aller süddeutschen Gaue wurde auf den Herbst 1929 verschoben und tusk wollte nun eine große Deutsche Jungenschaft schaffen. Romin kam nun nach Stuttgart und reizte alle in seiner Nähe zur höchsten Tätigkeit. Beim Thing auf Burg Ludwigstein wurden die neuen Gauführer bestimmt, aber statt tusk wurde Georg Wolfbauer für den Gau Süd ernannt. Im Oktober wurde er zur ersten Reichskreisführersitzung nach Berlin berufen, wo er wieder auf taube Ohren stieß. Die Tätigkeiten des neuen Gauführers erschlafften und er kümmerte sich nicht mehr um den Reichskreis Süddeutschland.

Am 1.November 1929 gründeten tusk und Romin mit einem Händedruck eine Verschwörung mit dem Ziel der Erhöhung der Disziplin, Erhöhung der Anforderungen, Säuberung des Bundes, Besserung des Bundes auf der ganzen Linie und Vereinigung aller ähnlichen Bünde zur Deutschen Jungenschaft. Kern war der Schwabengau und der Geist der dj.1.11 wurde mit heimlichen Sendschreiben verbreitet. Ernst Buske verhielt sich zunehmend wohlwollend und zeigte sich nur über die neue Flagge der beiden Schwabengaue erstaunt, eine graue Flagge mit einem Falken und drei Wellen. Der inzwischen abgefallene Gau Bayern hisste nun auch die dj.1.11 - Flagge. Die dj.1.11 wurde zur Bewegung. Es kam nun zu Reibereien zwischen tusk und Buske, der ihm die Schriftleitung der Führerzeitschrift verwehrte, was damit endete, dass tusk sie als Privatmann herausbrachte. Auf dem Staubfresserfest, zu dem Romin in Stuttgart geladen hatte, setzte sich die dj.1.11 endgültig durch und tusk wurde zum südlichen Reichsführer bestimmt; lediglich Bayern wollte noch abwarten. tusk stellte den Bundesführer Buske in einem Brief vor vollendete Tasachen. Doch dieser verstarb plötzlich und unerwartet am 27. Februar 1930, noch bevor er darauf reagieren konnte. Zum Nachfolger Ernst Buskes bestimmte die Deutsche Freischar Admiral von Trotha auf Lebenszeit. Dabei kam die Vorbereitung des Osterlagers, zusammen mit den Österreichern etwas zu kurz. tusk versuchte nun den Gau Mitteldeutschland zu übernehmen, was die Freischar mit einem Rauswurf beantwortete. Der Gau Schwaben befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Bundeslager 1930 der Deutschen Freischar in Ludwigswinkel. Die Freischarleitung ließ es zur Aussprache kommen und gab dem Schwabengau den Befehl, den Lagerplatz bis 3 Uhr zu verlassen. Der Gau Österreich protestierte und als sein Sprecher mit Gewalt gehindert wurde, trat der Gau Österreich als Österreichische Jungenkorps (öjk) aus dem Bund aus; das Graue Corps unter (fred) Alfred Schmid folgte. Die Schwaben traten den Rückzug nicht an und ertrotzten sich so den Platz. Nun war das Schwabenlager ein dj.1.11 - Lager und tusk betrat den Platz. Die dj.1.11 war geboren.

Mit dem Grauen Corps und dem öjk bildete die dj.1.11 nun den Fuldabund. Alle Versuche tusks, diese zum Beitritt zur dj.1.11 zu bewegen, wurden abgeschmettert. tusk war inzwischen nach Berlin gezogen und gründete dort weitere dj.1.11 Gruppen. Das Ziel war die rot graue aktion, das Bemühen alle Jungenschaften (in der Bedeutung Altersstufe) zu einigen; am besten in der dj.1.11. Auch wurde das Kohtenproblem wieder angegangen, bis schließlich die ersten einsatzfähigen Kohten, wie wir sie heute kennen, erschienen. Im August 1930 verunglückte Romin tödlich, als er auf Fahrt in den Karawanken abstürzte. Im zu Ehren wurde die Stuttgarter Horte Rominhorte genannt. Zu Ostern 1931 fand das Sühnelager am Traunsee im Salzkammergut/Österreich zusammen mit dem öjk statt - Sühnelager dashalb, weil damit die mangelnde Beteiligung am Osterlager 1930 zu büßen gedachte. Attraktion waren ein Großzelt aus 128 Zeltbahnen und Platz für 300 Personen und die Kohten; darunter die ersten drei Serienkohten. Darauf verankerten sich immer mehr neue und frische Sachen in der Jungenschaft. Zu Pfingsten 1931 trat tusk mit der dj.1.11 als Landesmark dj.1.11 in den Deutschen Pfadfinderbund ein und durchdrang damit die Pfadfinder. tusk begab sich nun auf Fahrt nach Nowaja Semlja/Sowjetrussland. Am 20.April 1932 übergab tusk die Führung der dj.1.11 an Willi Claus (bill), trat aus der dj.1.11 aus und begann einen etwas eigenwilligen Kampf gegen die Nationalsozialisten und unternahm mehrere Versuche, die Jugendorganisationen der Kommunisten, der Nationalsozialisten und der Sozialisten zu übernehmen, an denen er tragisch scheiterte. Willi Claus gab nach wenigen Wochen die Führung der dj.1.11 an Jochen Hene ab. Die Mitgliederzahl der dj.1.11 sank auf wenige Hundert zusammen und es kam zu einigen Abspaltungen und Autonomiebestrebungen. Die dj.1.11 wurde wie fast alles der Jugendbewegung 1933 durch die Nationalsozialisten zerschlagen und tusk versuchte noch ab 1933 die dj.1.11 mittels der Zeitung Die Kiefer als geistigen Orden zusammenzuhalten, musste dann aber doch gegen die Nationalsozialisten kapitulieren. Während des dritten Reiches formten sich mehrere dj.1.11 Gruppen im Widerstand oder um heimlich zu überleben.

Nach 1945 entstanden viele Jungenschaften im Geiste der dj.1.11 neu, was manchen, auch autonomen Gruppen sehr gut gelungen ist, die auch teilweise bis heute fortbestehen. Das Vermächtnis der dj.1.11 hat sich über den ganzen bündischen Bereich verbreitet. Lediglich konfessionelle Jungenschaften werden kritisch beäugt, denn die Einbettung in eine bestimmte Religion oder gar Konfession widerstrebt dem dj.1.11-Geist.

Symbolik

dj.1.11 - Es durfte kein romantischer Name sein wie Schwarze Ritter. Der Name musste sein: Deutsche Jungenschaft, gegründet am 1.November in der Königstraße in Stuttgart. Das wurde auf dj.1.11 zusammengestrichen. Das klang geheimnisvoll. Der Punkt hinter der Elf wurde weggelassen um in Eile zur praktischen Arbeit zu stürmen, ohne Zeit, den letzten Punkt zu machen.

Die Fahnenfarbe ist die bescheidenste von allen, nämlich grau, allenfalls mit dem Rot der Revolutionen. Darauf ist ein weißer Falke über drei Wellen. Das symbolisiert, dass man nicht ruhen darf, bevor er sein Ziel erreicht hat. Es sind drei Wellen, um die dritte Welle der Jugendbewegung anzudeuten

Weblinks

Zur Geschichte der Jungenschaftsbewegung

Heutige autonome Jungenschaftsgruppen