Ewiger Jüngling

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Unter ewiger Jüngling versteht man eine Art Mensch, wie sie bei Pfadfindern, vor allem aber bei bündischen Gruppen vorkommt. Dieser Ausdruck, der in der Älterenfrage (Lebensbund) immer wieder auftaucht, bezeichnet eine Art Mensch, der trotz fortgeschrittenen Alters, das kann schon ab 20 oder 25 Jahren sein, sich ein jugendhaftes Wesen bewahrt hat und dadurch bis ins höchste Alter immer den Zugang zur Jugend findet und von dieser auch als „Ihresgleichen“ oder „zugehörig“ empfunden wird. Der Beriff ist stark mit dem Begriff Eros verknüpft.

Echte ewige Jünglinge

Das sind Erwachsene, welche die Reife und Erfahrung ihres Alters besitzen und trotzdem ihre Jugendhaftigkeit nicht verloren haben. Sie besitzen eine Aura, mit der sie eine Art selbstverständlicher Zusammengehörigkeit mit der Jugend haben. Diese haben es im Leben oft sehr schwer, weil sie, trotz großer Reife und vieler Kenntnisse, ihren erwachsenen Mitmenschen als unheimlich und als lästige Mahnbilder erscheinen. Andere unter ihnen bringen es fertig, Beruf, Familie und Bund/Verband/Organisation zu vereinen und ein Leben, zwar unter starken Belastungen, aber in höchster Erfüllung zu leben. „Ewige Jünglinge" dieser Art haben, wenn sie wollen, in Jungenbünden etc. ihren richtigen Platz, denn sie gehören im Geist dazu und haben zudem aus ihrer Reife, Erfahrung und ihren überlegenen Kenntnissen viel zu geben. Manchmal haben sie auch alle anderen Eigenschaften körperlicher, seelischer, geistiger und rein praktischer Art, die ein Kreis junger Menschen von jemanden fordert, den er als Führer anerkennen soll. Menschen, die diesen Vorstellungen entsprechen, sind selten, aber es gibt sie. Ein Bund, vor allem ein Lebensbund, sollte auf dem Zusammenklang von Jungen mit solchen Erwachsenen aufgebaut sein. Selbst Eberhard Koebel (tusk), der Gründer der dj.1.11, der sonst in der Beurteilung von Jungenführern äußerst kritisch war, erkannte das voll an.

Falsche „ewige Jünglinge“

Leider gibt es auch andere "ewige Jünglinge", die einfach in ihrer Entwicklung stecken geblieben sind und über den Wunsch nach Befriedigung ihrer romantischen Sehnsüchte nie hinauskommen. Sie wollen das schöne Erlebnis, das sie meist selbst in einem Jungenbund hatten, sich so lange als möglich, am besten gleich das ganze Leben lang, erhalten. Es gibt unter ihnen rührend bemühte, liebenswerte Menschen und oft unermüdliche Arbeiter und Mäzene. Aber letzten Endes sitzen sie immer zwischen zwei Stühlen, weil sie einerseits von den Erwachsenen (mit Recht) belächelt und von den Jungen (ebenfalls mit Recht) nicht als zu ihnen gehörig betrachtet werden. Bestenfalls ernten sie von beiden Seiten Mitleid.

Gefährliche „ewige Jünglinge“

Eine Art von ewiger Jüngling ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Sie richten ungeheuren Schaden an. Das zeigt sich in vielerlei Hinsicht. Zum einen verführen oder bremsen sie oder sie arbeiten destruktiv oder sie gleiten in irgendwelche Perversionen sadistischer oder gar sexueller Art ab. Von solchen Menschen muss man sich unbedingt und am besten sofort trennen.

Baden-Powells Ideal des "Boy-Man" als Gegenbild

Der Gründer der Weltpfadfinderbewegung, Lord Robert Baden-Powell, stellt dem bündischen-jugendbewegten Verständnis des "Ewigen Jünglings" mit seinem oft von Pädophilen genutzten Begriffs des "Pädagogischen-Eros" zwischen Leiter und Kind/Jugendlichem, ein eigenes Ideal gegenüber: Mit der schlichten, unverfänglichen und pädagogischen Grundidee des Boy-Man, arbeitet er die Rolle des Erwachsenen in der Pfadfinderbewegung deutlich heraus. Im Buch "Pfadfinderführer" schreibt er dazu:

Der "Boy-Man".

 Als vorläufiges Trostwort für werdende Feldmeister möchte
ich dem verbreiteten Mißverständnis widersprechen, daß ein
erfolgreicher Feldmeister ein Universalgenie sein müsse. Nicht
im geringsten. Er braucht nur ein "Boy-Man" zu sein, d.h.

1. Er muß Bubengeist in sich haben und vor allem mit seinen
Zöglingen sich von Anfang an auf den richtigen Boden zu
stellen wissen.

2. Er muß die Bedürfnisse, Aussichten und Wünsche der ver-
schiedenen Bubenalter kennen.

3. Er muß sich mehr mit dem Einzelnen als mit der Masse ab-
geben.

4. Ferner muß er unter seine Buben Gemeinschaftsgeist brin-
gen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

 Auf diesen Hauptgrundsätzen ist die Ausbildung von Pfad-
findern und Pfadfinderinnen aufzubauen.
 Was den ersten Punkt anbetrifft, so braucht der Feldmeister
weder Schulmeister, Offizier, Pfarrer, noch Instruktor zu sein.
Alles, was er braucht, ist die Fähigkeit, sich im Freien zu er-
freuen, auf den Ehrgeiz der Buben einzugehen, und andere
Leute zu finden, welche sie in den gewünschten Richtungen
ausbilden, sei es nun im Boxen oder Zeichnen, in Naturkunde
oder Technik.
 Er muss sich auf den Standpunkt des älteren Bruders stellen,
d.h. die Dinge vom Gesichtswinkel des Buben aus sehen, ihn
auf den rechten Weg führen und begeistern. Als richtiger äl-
terer Bruder hat er die Tradition der Familie hochzuhalten und
dazu zu sehen, daß sie erhalten bleibt, auch wenn es nötig
werden sollte, sehr fest aufzutreten. Das ist alles.
 Die Bewegung ist eine fröhliche Brüderschaft, um so fröh-
licher, als man beim Pfadfinderspiel etwas Großes für andere
tut, indem man den Ichkult bekämpft.
 Im Bezug auf den zweiten Punkt behandeln die Handbücher
für Wölfe, Pfadfinder, Pfadfinderinnen und Rover die aufein-
anderfolgenden Abschnitte des Jugendlebens.
 Drittens ist die Aufgabe des Feldmeisters - und zwar eine
höchst anziehende - die Vornahme jedes einzelnen Jungen,
um herauszubringen, was in ihm steckt und dann das Gute zu
erfassen, und bis zur Unterdrückung des Schlechten zu ent-
wickeln. Fünf Prozent Gutes steckt selbst im schlechtesten
Charakter. Es kommt nur darauf an, es aufzudecken und zu
80 oder 90 Prozent zu entwickeln. Das ist Erziehung an Stelle
von Instruktion des jungen Geistes, die ihr im Buche "Pfad-
finder" oder "Pfadfinderinnen" eingehender ausgeführt findet.
 Viertens bringt bei der Pfadfindererziehung das Patrouillen-
oder Bandensystem die Einzelausbildung zu gemeinschaft-
lichem Ausdruck und damit alles, was der Junge gelernt hat,
zur Anwendung.
 [...]


Gemeinfreie Quelle: Lord Baden-Powell of Gilwell: "Pfadfinderführer"

Zusammengefasst benötigt der Feldmeister/Pfadfinderleiter nach Baden-Powell also keine mystische "Aura" um Kinder und Jugendliche an sich zu binden und zu führen, sondern es genügt das simple Verständnis für die Bedürfnisse der Jüngeren. Damit akzeptiert er die Kinder und Jugendlichen geschwisterlich auf Augenhöhe und holt sie bei ihren Interessen und Bedürfnisse ab um ihnen durch "tun" Wege zu höherer Charakterbildung zu eröffnen. Der Leiter ist also Katalysator positiver Befähigungen wird aber nicht mit den Kindern und Jugendlichen in Ihren Sippen/Patrouillen gemein. Er bleibt vielmehr von außen begleitender Wegbereiter. Damit ist auch das Verständnis eines Lebensbundes hinfällig, da der Feldmeister/Pfadfinderleiter lediglich einen Lebensabschnitt begleitet um die ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen letztendlich als Rover selbstständig und unabhängig abzugeben. Robert Baden-Powell, war wohl selbst das beste Beispiel für einen Boy-Man.

Literatur