Fahrtenmesser

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Das Fahrtenmesser ist das wichtigste und oft auch ein repräsentatives Werkzeug eines Pfadfinders. Es wird vom Fingernägelsaubermachen über Kochen, Schnitzen, Reparieren, Basteln und Bauen zu fast allem verwendet, auch zu missbräuchlichen Anwendungen wie Schraubendrehen, Büchsenöffnen und Feuerschüren. Ein Fahrtenmesser ist auf Fahrt unerläßlich. Ursprünglich stammt es von Bündischen Gruppen anfang der 1920er Jahre. Die Meinungen über Feinheiten der Messerart gehen durchaus auseinander. Gemeinsam ist allen, dass es sich um ein Messer mit feststehender Klinge handelt, das in einer Scheide am Gürtel getragen und möglichst universell eingesetzt werden kann. Manche nutzen als Fahrtenmesser gerne auch Klapp- und Taschenmesser, die eben andere Eigenschaften aufweisen.

Es nicht sinnvoll, bei der Anschaffung eines Fahrtenmessers auf extreme Größe oder ansprechende Optik zu achten, sondern vielmehr auf die Qualität der Verarbeitung und die Handhabbarkeit.

Größe

Die Klingenlänge hängt von der Größe des Benutzers ab. Eine Klingenlänge zwischen 7 und 12cm ist sinnvoll. Eine Länge von über 12cm sollte in Anbetracht der Verschärfung des Waffenrechts 2008, nach der das öffentliche Führen von Messern mit einer Klingenlänge von über 12cm verboten ist, vermieden werden. Die Klinge sollte so breit sein, dass mit ihr z.B. klein geschnittene Zwiebeln von einem Schneidbrett in einen Kochtopf geschoben werden können. Ein Fahrtenmesser sollte gut in der Hand liegen, was bei einem Erwachsenen eine Grifflänge von 10 bis 15 cm ergibt.


Eigenschaften

  • Feststehende Klingen sind wesentlich stabiler und robuster als Klappklingen, das sie mehr Kräfte aufnehmen können und keine Mechanik belasten.
  • Feststehende Klingen setzen sich meist in einem Dorn (Erl oder Angel) fort, auf den der Griff aufgesteckt und verleimt ist. Bei einem guten Kleber ist so ein Messer nahezu unverwüstlich. Durch wenig Metall im Griff ist so ein Messer leicht.
  • Durchgehende Klingen, bei denen sich die Klinge im Griff als Flacheisen fortsetzt, sind die stabilsten, denn sie können z.B. beim Hebeln die meisten Kräfte aufnehmen. Durch das Metall im Griff ist so ein Messer relativ schwer.
  • Integralmesser, aus einem Block gefertigte Messer mit eventuell eingelassenen Griffschalen, haben zu viel Metall im Griff und sind damit zu schwer und bringen keine Verbesserung der Stabilität mehr.
  • Breite Klingen mit schmalem Rücken ergeben einen geraden und genauen Schnitt beim Kochen und Brotschneiden.
  • Dicke Klingen sind besonders stabil. Gehärtete Klingen mit einer Dicke von etwa 4mm sind empfehlenswert.
  • Die dickste Stelle der Klinge muss sich am Übergang von Klinge zum Griff (Heft) befinden.
  • Hohlkehlen (Blutrinnen) dienen der Gewichtseinsparung, sind aber bei kleinen Klingen eher Spielerei.
  • Ein Parier (Parierstange, Handschutz, Fingerstopp), der das Abrutschen der Hand in die Schneide verhindert, ist sinnvoll.
  • Takelmesser verfügen über eine Handschlaufe, der die Funktion eines Pariers übernimmt und den Verlust des Messer beim Hantieren verhindert. Ein solches Bändel ist bei einem Fahrtenmesser sinnvoll.
  • Mit einem nach unten zu langen Parier kann man auf einem Brett nicht oder nur schlecht Hacken.
  • Eine Daumenablage erleichtert Arbeiten mit Druck auf die Klinge (z.B. Schnitzen).
  • Der Griff (das Heft) sollte gut in der Hand liegen, auch bei Nässe gut rutschfest sein und nicht zur Blasenbildung führen. Holz ist oft gut geeignet, unbehandelt aber pflegeintensiv, lackiert oft zu glatt. Gummi ist vor allem bei Wasserkontakt sehr gut, neigt aber zu Abrieb und Einrissen. Glatter Kunststoff ist zwar pflegeleicht, oft wegen Ausfransungen, Brüchen und Belastung der Hand schlecht geeignet. Leder verzieht sich mit der Zeit, was bei gewickelten Griffen Nachbesserungen erforderd, sonst ist Leder aber sehr angenehm. Horn ist im Prinzip gut geeignet, läßt sich aber nur schlecht bearbeiten findet sich aber eher an Traditionsmessern (Nicker) und wird von manchen Vegetariern strikt abgelehnt.
  • Das Klingenmaterial ist in den meisten Fällen ein Eisenwerkstoff, also Stahl. Edelstahl (Nirosta) ist pflegeleicht aber meist nur schwer zu schärfen und oft nicht schnitthaltig (müssen oft nachgeschärft werden). Eisenstähle sind in fast allen Fällen sehr gut zu schärfen und standhaft. Allerdings neigen sie sehr zur Rostbildung und bedürfen ständiger Pflege. Besonders harte Monostähle sind in der Regel spröde und neigen zum Zerbrechen. Der beste Kompromiss sind Verbundstähle wie Damast, in dem verschiedene Stähle mit verschiedenen Eigenschaften, wie z.B. Härte und Zähigkeit komponiert werden. Wilder Damast ist stabiler als Damast mit gesteuerten Mustern. Industriell angefertigte Damastklingen werden in ihrer Struktur geschnitten, was sich in schlechterer Robustheit bemerkbar macht. Von Hand in Form geschmiedeteter Damast ist so ziemlich das beste was man bekommen kann, ist aber sehr teuer.
  • Selbstgemachte Klingen sind sowieso das Beste wo gibt, selbst wenn sie am Lagerfeuer aus einem Nagel geschmiedet wurden. Manche Schmiedemeister auch Kurse an, bei denen man seine eigene Klinge schmieden und dabei auf die Eigenschaften Einfluss nehmen kann.
  • Der Schliff der Schneide hängt von der Anwendung ab. Je steiler der Schliff, umso einfacher gleitet die Klinge, je flacher der Schliff, umso schnitthaltiger ist er (vergleiche Axt)
  • Die Klingenform ist am besten zur Spitze hin leicht gekrümmt, verfügt aber über eine gerade Schneide, die gerade, hackende Schnitte erlaubt. Das ermöglicht Hacken, Schneiden und Wippen. Sichelformen schränken die Verwendung der Klinge zu sehr ein.
  • Der Klingenrücken ist gerade oder leicht zur Spitze hin gekrümmt. Das optimiert die Kraftübertragung der Hand auf die Schneide. Schnabelformen wie beim Bowiemesser dienen mehr zum Zufügen häßlicher Stichverletzungen.
  • Das Ende der Schneide zum Griff hin (Fehlschärfe) liegt am besten frei, damit ein einwandfreies Schärfen der Klinge möglich ist. Sonst bildet sich dort mit der Zeit gerne ein Buckel, der ein Aufliegen der Klinge auf einem Schneidbrett verhindert.
  • Alle Konturen des Messers, vor allem an der Klinge müssen runde oder fließende Formen sein, da Einkerbungen Sollbruchstellen sind.
  • Die Scheide muss das Messer sicher verwahren und bein Herausziehen selbiges leicht freigeben. Bei sehr guten Messern schützt sie eher den Träger vor dem Messer denn das Messer vor Schäden. Eine Schlaufe um die Scheide an einen Gürtel zuziehen ist sinnvoll. Als Material wählt man am besten starkes Rindsleder. Metallene Scheiden oder Zierbeschläge vergrößern nur unnötig das Gewicht.

Aufbau eines Messers

Ein einfaches Messer besteht aus einer Klinge, einem Griff und dem dazwischen liegenden Handschutz.

Die Klinge besitzt eine Schneide, eine Spitze, auch Ort genannt, und die gegenüberliegende Seite der Schneide, die Fehlschärfe. Sie wird mit dem Erl am Griff befestigt. Die Verdickung am Griffende wird als Knauf bezeichnet, wobei auch die Begriffe Beschlag, Griffniet, Klingenspiegel, Pommel oder Stifte verwendet werden.

Bei der Bauart ohne Knauf ist der Erl die Verlängerung der Klinge als Flacheisen, der Griff besteht dann aus 2 Griffschalen, die (meist) aufgenietet werden.

Das Ricasso ist der Teil zwischen Griff (bzw. Parierstange) und der Schneide, der nicht geschliffen ist.

Bei Klappmessern wird die Klinge zwischen zwei Wangen eingelegt, sie kann mittels Daumendreh oder Fingerzug aktiviert werden. Auch kann auf dem Messerrücken eine Sperre zur Messerverriegelung gelöst werden. Da der Schwachpunkt in der Drehachse der Klinge liegt, sind Klingenlängen bis 10 cm üblich (in letzter Zeit kommen aber auch verstärkt sehr große Klappmesser auf den Markt).

Wegen ihrer Kompaktheit gehören Klappmesser zu den meist verkauften. Berühmt sind Al Marfolding S.E.R.E, SOG Tomcat, Gerber-Messer, Klappmesser der amerikanischen Firma CRKT (Columbia River Knife Tool), Böker-Messer aus Deutschland und natürlich das französische Opinel.

(Dieser Teil ist zum größten Teil aus Messer (Wikipedia-Artikel) kopiert.)


verschiedene Modelle

Alle folgenden Modelle sind bewährte Fahrtenmesser, die auch für Einsteiger aufgrund ihrer unproblematischn Handhabung und dem relativ einfachen Nachschleifen geeignet sind.

Pfadfindermesser

Unter dem Begriff "Pfadfindermesser" versteckt sich ein Messer, das im dritten Reich in der "Hitlerjugend" ([1][[HJ-Messer]http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Fahrtenmesser1.jpg]) und auch im "Deutschen Jungvolk", hier nach Bestehen der Pimpfenprobe, getragen wurde. Einzig das Hakenkreuz wurde mit einer Lilie ausgetauscht. Leider wird dieses Messer immer wieder als Pfadfindermesser angeboten, um für einen guten Absatz zu sorgen.

Daneben ist die Ausarbeitung eher dürftig: Die Griffe bestehen aus Plastik, deren Prägung auf Dauer in der Hand wehtun. Der Griff an sich ist von der Größe her eher für kleine Hände geeignet, das Metall der Klinge ist von sehr schlechter Qualität und läßt sich schlecht schärfen bzw. wird schnell stumpf.

Auch wenn es ein sehr billiges Messer ist, sollte gerade der politisch korrekte Pfadfinder dieses Messer nicht tragen und sich ein Takelmesser (ab 10 Euro) zulegen.

Takelmesser

Ein weiteres beliebtes Messer ist das so genannte Takelmesser, das auch als Bootsmesser bezeichnet wird. Dieses hat Griffschalen aus Hartholz und eine Bohrung im Griff. Durch diese Bohrung kann man eine Lederschlaufe einbringen und über das Handgelenk ziehen. Dies ersetzt die fehlende Parierstange. Geliefert wird es in einer Köcherscheide aus Leder.

Auch der Preis für dieses Messer liegt im Bereich von 10 bis 35 Euro

Opinel Messer

Auch bei Pfadfindern beliebt ist das relativ einfach gehaltene Messer des französischen Herstellers Opinel. Das aus einer einklappbaren und feststellfähigen Klinge mit Buchen-, Oliven-, manchmal auch Bubingaholzgriff bestehende Messer ist in verschiedensten Größen, Klingenmaterialien (rostfrei/nicht rostfrei) und Klingenformen (spitz/abgerundet) verfügbar und deckt eine Preisspanne von 9 bis 20 Euro ab.

Das Messer bietet zwar nicht viele Funktionen, ist aber in seiner eigentlichen Funktion als Messer ideal.

Schleifen

siehe Messer schleifen

Waffenrecht – Was ist mit dem Fahrtenmesser?

Quelle: der Newsletter des VCP vom 11.11.2005, auch zu finden in der Liste unter http://www.vcp.de/index.php?id=114&r=1

Zitat:

Die zum 1. April 2003 eingeführten Änderungen im Waffengesetz betrafen unter anderem so genannte „jugendtypische Waffen“. Damit sind Waffen und Gegenstände gemeint, die auf Jugendliche einen besonderen Reiz ausüben und die vor der Änderung im Gesetz frei erworben und getragen werden konnten. Ein Teil dieser Waffen ist nun verboten bzw. genehmigungspflichtig.

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Verunsicherungen bei Gruppenleiterinnen und –leitern in Bezug auf die für uns Pfadfinderinnen und Pfadfinder typischen Fahrtenmesser. Sind diese möglicherweise von der Änderung betroffen und nun genehmigungspflichtig bzw. sogar verboten? Hier können wir Entwarnung geben, Fahrtenmesser gehören zu den „Gebrauchsmessern“ mit einseitig geschliffener feststehender Klinge.

Verboten sind allerdings so genannte Faustmesser, Springmesser (Klinge länger als 8,5 cm, beidseitig geschliffen, in der Mitte schmaler als 20% ihrer Länge oder kein durchgehender Rücken, der sich zur Schneide hin verjüngt), Spring- und Fallmesser sowie Butterflymesser.

Da Messer auf unsere Mitglieder immer wieder einen besonderen Reiz ausüben ist es durchaus zu empfehlen immer wieder mal einen Blick auf die Ausrüstungsgegenstände zu werfen. Vielleicht könnte man das Thema auch mal in der Gruppenstunde aufgreifen …

Ein umfangreiches Arbeitsheft zum Thema „Waffenrecht“ ist beim DREI-W-Verlag erschienen.

DREI-W-Verlag
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