Jugendpflege

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Jugendpflege als Teil der Jugendhilfe beinhaltet als vorbeugende Hilfe die Jugenderholung, die ausserschulische musische und politische Bildung sowie die Einrichtung von Stätten zur Unterhaltung, Arbeit und Freizeit. Träger der Jugendpflege sind u.a. die freien Vereinigungen der Jugendwohlfahrt, Jugendverbände und Jugendgemeinschaften, die Jugendverwaltungen und die Kirchen.

Der Begriff Jugendpflege (Jugendhilfe) wird meist als Gegensatz zur bündischen Jugendarbeit oder Jugendbewegung verwendet und hat in diesen Kreisen eine negative Bedeutung. Dieser Beitrag soll diese Gegensätze näher beleuchten.

Jugendpflege aus bündischer Sicht

Was ist an der Jugendpflege eigentlich schlecht?

Jugendpflege betreut das Vorhandene, formt im Sinne des beruflichen Auftrages der jeweiligen Pfleger und widerspricht in Form und Zielsetzung dem bündischen Denken.

Geht man zunächst einmal davon aus, daß Jugendpflege beruflich veranstaltet wird, dann sieht man schon einen deutlichen Unterschied zu unserem Wollen. Hauptamtlich mit dem Problem des BAT (Gehaltstarif) und der öffentlichen Aufstiegspyramide eng verknüpft, kann als Ziel der Jugendpflege nie ein jugendgemäßes Ziel aufscheinen. Jugendpflege wird entweder von beamteten (angestellten) Berufsjugendlichen in Bluejeans und Turnschuhen angeschmuddelt oder von großzügigen modernen Pfarrern auf der Basis von Kirchenpädagogik und Knutschdiscos für 12jährige angeboten. Ich hoffe auf Widerspruch, wenn ich das Programm der Jugendpflege so definiere:

1. In Jugendzentren wird pseudodemokratisches Leben durch einen Jugendrat vorgegaukelt, der nie etwas Grundsätzlich entscheiden kann. Das ist auch klar und rechtlich abgesichert, denn das Haushaltsrecht der Kommunen bietet überhaupt keine Möglichkeit für Entscheidungen unbeamteter Meinungsträger. Sicher, welche Musikgruppen auftreten und was sonst an Radau entstehen kann, das darf der Besucher schon mitplanen. Aber welcher Besucher? Ich will jetzt nicht im einzelnen die faden Programmöglichkeiten der Jugendhäuser aufführen. Mehr als überdachte Straßenecken sind sie nicht, und positive Auswirkungen können von dort nicht kommen. Jugendzentren sind unnötige, in großen Teilen jugendgefährdende Orte im Sinne des Gesetzes zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit und verschlingen etwa zwei Drittel des gesamten Geldes, welches für die Jugendpflege eines Ortes bewilligt wird. Erreicht werden durch Jugendzentren rund 2 % der Kinder und Jugendlichen des jeweiligen Einzugsgebietes.

2. Ansonsten bietet die Jugendpflege Musikveranstaltungen, Discos und politische oder sonstige Seminare an. Nicht zu vergessen den unglaublich aufwendigen Ferienpaß. Wer einmal eine Gruppenleiterschulung der Hoheitsträger (sind Jugendpfleger nach dem Beamtenrecht) absolviert hat weiß, was dort unsägliches geboten wird. Das mag für manche Leutchen ja ganz nett sein, für Menschen bündischer Prägung sollte Abstand verbindlich werden.

Uns unterscheidet von Jugendpflegern nicht nur der Anspruch, sondern vor allem die Praxis. Acht Stunden am Tag zu BAT 4 plus Überstundenpauschale sind sicher eine reizvolle Perspektive. Selbige soll auch allen Sozialarbeitern (auch den noch arbeitslosen selbstverständlich) gegönnt sein. Aber glaube keiner, daß solch ein Hoheitsträger irgend etwas für andere damit tut. Das ist sein Job, und das während der Dienstzeit. Daneben trifft er sich mit Berufskollegen und debattiert über die Besoldungsprobleme. Außerdem liest er die einschlägigen Postillen und ist im allgemeinen grün/fortschrittlich, wie ihm alle anderen, die die gleichen Postillen lesen, gern bescheinigen. Sie sind über das ganze Land verteilt und führen die neue Staatsjugend, die nämlich, welche oberflächliche Zerstreuung inklusive knall-schriller Musik zum Lebensstil gemacht hat. Diese neue Staatsjugend kann keiner mehr verhindern, auflösen oder umwidmen. Vierzig Jahre Jugendpflege sind nicht mehr zu heilen. Natürlich kennt jeder einen beamteten Sozialmenschen, der ganz anders ist. Das bedeutet gar nichts! Auch daß die Bünde in weiten Bereichen gleich geworden sind, ihre Eigenständigkeit verloren haben und auf Grund von Zuschüssen nach § 9 des Jugendwohlfahrtsgesetzes kontrollierbar sind, ist allein den Sozialarbeitern und denjenigen, die es so gern wären, zu verdanken. Die sprechen überall die gleiche Sprache und lesen - wie gehabt. Ein Wischiwaschi von Bünden und Gruppen mit jugendpflegerischer Tendenz rundet die Verbände und die jugendzentrumsorientierten Grüppchen ab.

Was ist schlecht an der Jugendpflege? Alles!

Heiki (ehemaliger Jugendpfleger und Leiter eines sehr großen Jugendzentrums, 7 Jahre lang)

Quelle

Aus Stichwort 4/88

Weblinks