Kindermitbestimmung

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Kindermitbestimmung oder -partizipation meint die unmittelbare Einflussnahme von Kindern auf die selben Elemente der Pfadfinderarbeit vor Ort und im Verband, wie sie auch bereits von Jugendlichen oder Erwachsenen wahrgenommen werden.

Für viele Kinder ist es nach wie vor völlig ungewöhnlich auf Versammlungen gefragt zu sein was sie selbst denken und wollen und darüber gar selbst mit zu bestimmen.

Kindermitbestimmung in der DPSG

Kinder und Jugendliche sollen lernen ihr Leben zunehmend selbst in die Hand zu nehmen. Dieses oberste Leitmotiv für die Arbeit der DPSG spiegelt sich in der alltäglichen Arbeit vor Ort in den Stämmen wider. Unter dem Motto Kinder kommen langsam, aber gewaltig... erschien im Jahr 1993 eine erste Arbeitshilfe zur Kindermitbestimmung in der DPSG. Gleichzeitig begann eine bundesweite Erprobungsphase zur Kindermitbestimmung, die 1996 - mit positivem Abschluss der Erprobung - zu entsprechenden Satzungsänderungen führte. Ab jetzt konnten Delegierte der Wölflinge und Pfadfinder ihre Stimmen auf der Stammesversammlung, die bis dahin durch Elternvertreter wahrgenommen wurden, selbst vertreten. Die Mitbestimmung in den Gruppen vor Ort war auch vorher schon, ganz nach pfadfinderischer Pädagogik, selbstverständlich.

In der Gruppenstunde

Bei den Wölflingen wählen die Kleingruppen (Rudel) Leitwölfe. Die Leitwölfe bilden die Schnittstelle zwischen den einzelnen Kleingruppen. Zudem nehmen zwei von ihnen das Stimmrecht der Wölflingsstufe auf der Stammesversammlung wahr. Zusammen mit einem Leiter des Leitungsteams bilden sie den Meutenrat. Hier werden die nächsten Gruppenstunden geplant.

Dennoch ist die gesamte Gruppe bei der Gestaltung von Programm und Aktionen gefragt. Im Wölflingsalter natürlich noch sehr spielerisch und einfach. So bestimmen bei einem Lager die Kinder z.B. das Essen und einzelne Programmpunkte.

Bei den Jungpfadfindern wählen die Kleingruppen (Sippe) Kornetts. Die Kornetts bilden die Schnittstelle zwischen den einzelnen Kleingruppen. Zudem nehmen zwei von ihnen das Stimmrecht der Jungpfadfinderstufe auf der Stammesversammlung wahr. Zusammen mit einem Leiter des Leitungsteams bilden sie den Trupprat.

Dennoch ist die gesamte Gruppe bei der Gestaltung von Programm und Aktionen gefragt. Im Jungpfadfinderalter natürlich mehr als bei den Wölflingen, aber noch nicht alles. So bestimmen bei einem Lager die Kinder z.B. das Programm, das Ziel, die Zeiten.

Für die älteren Stufen der Pfadfinder und Rover, der so genannten Jugendstufen sind Mitbestimmungsformen ebenfalls selbstverständlich.

In der Stammesversammlung

Wie oben bereits erwähnt sind je zwei Kinder von ihrer Stufe beauftragt Stimmrecht auf der Stammesversammlung wahrzunehmen. Dazu ist es notwendig das mögliche Abstimmungen im Vorfeld abgesprochen werden, Kandidaten kennengelernt werden usw.. Das Abstimmungsverhalten der Delegierten soll die Meinung der Gruppe widerspiegeln. Das dies nicht einfach ist, zeigt sich immer wieder. Zentral wichtiger Punkt ist eine einfache Sprache und spielerische Formen, die die Kinder tatsächlich verstehen lassen, was sie tun. Solche Formen helfen übrigens selbst Erwachsenen, einfacher hinter die Dinge zu sehen und Zusammenhänge zu verstehen.

Andererseits ist es wichtig das Jahresprogramm wirklich vom ganzen Stamm getragen zu wissen. Auch der Vorstand weiß seinen Rückhalt in einer anderen Qualität, wenn er tatsächlich von den Stufen gewählt wurde. Selbst in Personaldebatten beteiligen sich die Kinder, weil sie sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst sein können - wenn die Vorbereitung gestimmt hat.

Pro& Contra

Viele Leiter und Vorstände scheuen sich vor der Arbeit der Kindermitbestimmung. Es ist viel Aufwand nötig um Kindern - gerade auf der strukturellen Ebene - Inhalte, Sinn und Abstimmungsmodalitäten zu erklären. In der Vergangenheit kam es hin und wieder vor, dass Einzelne die Kindermitbestimmung abzuschaffen versuchten.

Doch die Erfahrung zeigt, dass sich der Aufwand lohnt, weil Kinder und Jugendliche nicht irgendein Programm konsumieren, sondern IHR EIGENES Programm erleben. Persönliche Beobachtungen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass Stämme, die Kindermitbestimmung vernachlässigen eine geringere Motivation unter den Mitgliedern aufweisen. Kinder und Jugendliche bleiben eher unverbindlich und evtl. nicht so lange dabei.

Weitere Ebenen

Ab der Bezirksebene aufwärts wird keine Kindermitbestimmung mehr praktiziert, da hier Erwachsene (als Leiter oder Referenten) die Interessen der Kinder formulieren und weitertragen.

Literatur

  • Die Stammesversammlung - Stimme für die Mitbestimmung! - Das neue Stimmrecht; Georgsverlag, Neuss 1996
  • Kinder können mehr - Eine Arbeitshilfe zur Kindermitbestimmung in der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg; Georgsverlag, Neuss 2000

Weblinks