Kohte

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Pfadfinder vor einer lappländischen Torfkothe in Schweden.
Kohte in Slowenien

Die Kohte (auch Kote und Kothe) ist in der deutschen Jugendbewegung ein beliebtes Feuerzelt (Schwarzzelt) und besteht aus 4 Trapezplanen. Durch die Segmentierung kann die Kohte in leichte, kompakte Einzelteile aufgeteilt werden, und ist dadurch geeignet als Wanderzelt. Die Einzelteile sind auch vielfältig verwendbar und kombinierbar. Z.B. als Kröte als reiner Wetterschutz für 1 bis max. 2 Personen, oder als Lokomotive als Kleinzelt. Oder auch zu größeren Konstruktionen wie Doppelkohten, bzw. unter Verwendung von Quadratplanen oder Rechtecksplanen zu Hochkohten, Kleinjurten oder Jurten. Manche Gruppen geben sich die Herausforderung ganzer Jurtenburgen, wie zum Beispiel das Team um Black Castle.

Die Ursprungsform der Kohte stammt aus Lappland, wo sie „kåta“ heißt, was soviel bedeutet wie „Behausung“. „Kåta“ wird fast wie „Kothe“ ausgesprochen.

Geschichte

Kohte aus den 30er Jahren
Die ersten Serien-Kohten aus dem Jahr 1931

Die heute im deutschsprachigen Raum bekannte Kohte stammt ursprünglich aus der Jungenschaft dj.1.11, einem Bund der Bündischen Jugend. Die Kohte, wurde von Eberhard Koebel (tusk) in den bündischen Jugengruppen der 1930er Jahre etabliert. Er entwickelte die Kohte nach dem Vorbild von Nomadenzelten, die er auf seinen Lapplandfahrten gesehen hatte.

Das Geburtshaus der Kohte steht in der Stuttgarter Königsstraße. Nach der Rückkehr von der ersten Lapplandfahrt und abgeschlossenem Grafikstudium gründete tusk zusammen mit seinem Studienfreund Fritz Stelzer (Pauli, Gauführer der Freischar) das Atelier Gorm, ein Atelier für Buch- und Werbegrafik. In diesem Atelier "bastelten" Tusk und Theo Hohenadel (Gari) die erste, wenn auch unvollkommene Kohte. Gari stammt aus der legendären Jungmannschaft Königsbühl in Ludwigsburg, die sich 1924 den Neupfadfindern anschloß. Nach dem Krieg war Gari aktiv im BDP, trat aber dann mit den Grauen Reitern 1956 aus und wurde 1958 Bundesführer. Gari berichtet, daß Tusk einmal zu ihm sagte: "Wir brauchen ein Kohte, damit wir darin Feuer machen können." Gari machte sich daran die Otnoris (das Rahmensystem) zu bauen. Allerdings sollte sie zusammenlegbar sein, um einen bequemen Tarnsport zu ermöglichen. - Die Kohtenbahn war damals noch aus einem Stück und die Tür war ein separates, dreieckiges Stück Stoff, das mit kleinen Querlatten versteift war. - Die größte Mühe bereitete das Gestell, weil es ja per Bahn transportiert werden mußte.

Diese erste Kohte stand Pfingsten 1928 in einem Lager der Deutschen Freischar auf der Kollenburg im Spessart bei Dorfprozelten. Diese Versuchskohte war farbig, wurde aber dann bald nur noch aus weißem Stoff gebaut mit einem Ornamentstreifen am Boden. Diese Kohte wurde mit Parabelbögen aufgebaut, wegen der Unhandlichkeit ist man später davon abgekommen. Tusk schrieb dazu im Lagerfeuer: "Darum bauten wir unsere Kohten nach einem anderen Iappischen Rezept, nach dem die Wächterzelte oft gebaut werden. Man schnürt aus vielen kleinen Zweigen einen großen Reif, der zur Stütze oben in das Zeltgebäude hineingebunden wird. Das war keine gute Lösung, denn der Bau der Kohte brachte soviel Mühe und der Wind verbog sie oft bedenklich. Wir nahmen grüne Zweige, die elastisch und steif waren, zum Ring. Wenn nun darunter das Feuer brannte, verbog sich auch noch der Ring, und die Kohte wurde immer jämmerlicher, je länger sie stand." Die ersten Kohten, wie wir sie heute kennen, wurden von der Firma Tadep/Berlin gefertigt und standen zu Ostern 1931 während des Sühnelagers der dj.1.11 und des öjk am Traunsee (siehe Bild). Bemerkenswert ist, dass diese ersten Kohten bereits mit einem Kohtenkreuz am Zweibein aufgestellt wurden, was eigentlich erst nach 1945 üblich wurde. Der endgültige Entwurf stammte von tusk und wurde von Ernst Voos durchkonstruiert (Quelle: tusk: Das Lagerfeuer, 5/6 Mai/Juni 1932; tusk: Große Umwege, Verlag Achim Freudenstein, 2004).

1935 verfügte der Obergebietsführer der Hitlerjugend in Berlin Artur Axmann, der spätere Reichsjugendführer der HJ, dass jeder Gebrauch von Kohten und Jurten verboten ist und dass sie sofort beschlagnahmt werden müssen. (Siehe auch Jurte-Geschichte-Neuzeit und Verbot der Bündischen Jugend)

Nach 1945 trat dann die Kohte als Grundzelt in Modulbauweise ihren Siegeszug an.

Vorteile

Die großen Vorteile der Kohte liegen darin, dass sie (mit Ausnahme der Wanderkohte) beliebig mit Schwarzplanen in Jurten und Lokomotiven kombiniert werden können. Bei Wanderungen ist es ein großer Vorteil der Kohte, dass man im Inneren ein Feuer machen kann. Außerdem ist sie leicht zu transportieren, da sie - im Gegensatz zu anderen Zelten (z.B. Sudan) - aufteilbar ist. Sie ist fast lichtdicht und unauffällig.

Auch für andere "Zweckentfremdungen" sind die Schwarzplanen geeignet, z.B. zum Bau von Behelfstragen, oder über ein Gestell aus Weidenruten gespannt als primitives Behelfsboot.

Nachteile

Der Hauptnachteil der Kohte liegt im verwendeten Material, das im Vergleich zu modernen Zeltstoffen deutlich schwerer ist. Ein vermeintlicher Nachteil, daß sich die Kohte bei Sonneneinstrahlung stark aufheizen würde, kann durch sinnvolle Belüftung (z.B. Erdstreifen anheben und Abdeckplane auf dem Kohtenkreuz öffnen) vermieden werden. Durch diesen Kamineffekt kann die Kohte im Innern auch bei Sonneneinstrahlung kühler gehalten werden als moderne Zelte.

Variationen

Hochkohte

Wie schon bei den Vorteilen gesagt, lässt sich eine Kohte in Jurten integrieren. Meisten verwendet man dabei aber eine Variation der Kohte. Am besten eignet sich zum kombinieren mit Jurten eine Hochkohte. Bei dieser Variation wird die Kohte wie die Jurte auf Seitenstangen aufgestellt und es kommen Seitenbahnen dran. Vorteil hierbei ist, dass man bequem im Zelt stehen kann, da die Kohte jetzt ja die Höhe einer Jurte hat und das Wasser besser abfließen kann, da wir ja noch das Steile Dach der Kohte haben.

Gestreckte Kohte

Eine weitere mögliche Variation ist die gestrecke Kohte bei der zwischen die Kohtenbahnen noch 2 Theaterbahnen (auch bekannt als Ovalbahnen) mit eingeknüpft ist. Damit passen dann mit nicht viel mehr Material nochmal 3 Personen mehr ins Zelt. Ebenfalls möglich ist die 5er-Hochkohte, auch als Kleinjurte bezeichnet. Sie basiert auf der Hochkohte nur wird hier noch eine Kothenbahn mehr ins Dach eingebaut, das dadurch flacher wird. Diese Konstruktion ähnelt dann mehr einer Jurte, die ja bekanntermaßen 6 Kohtenbahnen als Dach hat.


Man kann außerdem noch Mehrfachkohten aufbauen oder Spielereien wie die Kohtenpyramide, ein großes Gruppenzelt.

Aufbau

  • 4 Kohtenplanen
  • 1 Stamm (oder zwei)
  • 1 Hammer
  • mindestens 8 (oft gehen welche kaputt, besser: mehr mitnehmen) Heringe
  • 1 Kohtenkreuz (bestehend aus 2 Teilen) / 1 Spinne (bestehend aus 4 Ketten)
  • 1 längeres Seil ( > 3 Meter)

Zuerst sucht man sich einen geeigneten Lagerplatz. Dieser sollte weder zu holprig sein, noch in einer Kuhle liegen. Dann beginnt der eigentliche Kohtenaufbau. Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Kohte aufzubauen, hier ist eine davon:

Kohte knüpfen

Die vier Kohtenplanen werden flach auf den Boden (mit der Außenseite nach oben) gelegt und zusammengeknüpft. Beim Knüpfen fängt man oben an der Spitze an und zieht dabei ein Knüpfbändsel immer von oben durch die Öse und dann durch die Schlaufe vom Bändsel vorher. Die Bänder liegen also immer innen, so dass man später die Kohte auch von innen wieder verschließen oder öffnen kann.

Abschlussknoten

Wenn man am unteren Ende angekommen ist, folgt ein Abschlussknoten. Die folgenden drei Abbildungen zeigen dies. Der Clou dabei ist, dass man quasi eine halbe Schleife knotet, womit der Knoten einfach aufziehbar ist. Andere Knoten, wie zum Beispiel der Achterknoten, würden zwar auch verhindern, dass das Seil durch die Öse rutscht, ist aber oft sehr schwer zu lösen.

Jetzt wird an den äußersten vier Ecken so gezogen, dass ein Quadrat entsteht und die Ecken werden an eingeschlagenen Heringen befestigt. Dabei ist zu beachten, dass die Planen auch schon am Boden gut gespannt sein müssen. Nun steckt man das Kohtenkreuz ineinander und befestigt es an den inneren Ecken der vier Planen. An den Stamm bindet man ein längeres Seil mit einem Mastwurf und zusätzlich einem Malstek. An das kurze Seilende macht man eine Schlaufe.

Zweimaster

Jetzt kriechen am besten zwei Personen unter den Planen in die Kohte. Der eine drückt das Kohtenkreuz hoch, der andere nimmt das lange Seilende, zieht es unter dem Kohtenkreuz her, zieht es durch die Schlaufe am Stamm nach unten. So hat man eine Art Flaschenzug an einem Seil hergestellt und die Kohte kann hochgezogen werden. Nun wird das Seil an dem Stamm mit einem Knoten wie dem Zeltspanner festgebunden. Danach können die restlichen vier Ecken mit Heringen im Boden befestigt werden. Achtung: Wenn die Planen nass sind besteht Reißgefahr! Als letztes macht man eine Seite der Kohte als Ein- oder Ausgang offen.

Das war die Beschreibung zum Aufbau eines Einmasters. Man kann die Kohte aber auch als Zweimaster (wie oben im Bild), oder auch an einem Baum, usw. aufstellen. Das Prinzip ist überall dasselbe.

Kunststoffkohten

Zurzeit sind über High-N-Kothe@stamm-elbe.de Kunststoffkohten aus Nylon, genannt Kohte-N®, verfügbar. Diese weisen jedoch wesentliche Unterschiede auf. Als Vorteile werden u.a. die Wasserresistenz und das geringe Gewicht genannt. Allerdings müssen Einbußen z.B. bei Feuerfestigkeit und Lichtdichtheit gemacht werden.

Literatur

Fritz Schmidt: Die Geschichte der Kohte, Achims Verlag 2009, ISBN 978-3-932435-45-4

Weblinks