Spurbücher

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Spurbücher (eigentlich Signe de piste) waren eine Reihe Abenteuerbücher, die auf hauptsächlich Pfadfinder abgestimmt waren. Heute sind ausgesuchte (bearbeitete) Nachdrucke und Neuerscheinungen im Spurbuchverlag erhältlich. Sie entstanden ab 1937 im Alsatia Verlag Colmar - Paris,(für die deutschen Ausgaben ab Mitte der 50er auch Freiburg) also in Frankreich, auf deutsch ab 1948 und erlebten ihre Blütezeit in den 1950er Jahren. Herausgeber -und Autor- war zunächst Adolf Hechelmann, ein katholischer Geistlicher, später der ebenfalls als Autor wirkende Herbert Leger. Die letzten von knapp 90(!) Bänden erschienen 1966. Neben den zumeist ursprünglich in Französisch veröffentlichten Bänden aus der sdp-Reihe gab es zunehmend Originalveröffentlichungen deutschsprachiger Autoren, die zum großen Teil aus dem Umfeld von Pfadfinder- und Jugendbewegung stammten. Neben den vornehmlich an Jungen adressierten Bänden gab es einige Ausgaben, die auch die Mädchen ansprechen sollten, darunter mehrere von Renate Coring, der Frau von Herbert Leger (der übrigens im selben Verlag unter dem Pseudonym Salvatore Trafalgar eine Krimireihe um den stummen Detektiv Schleinza veröffentlichte).

Originalbücher sind heutzutage gefragte Sammlerobjekte und verbreiten einen ungeheuren Charme. Die erzählten Geschichten haben bis heute nichts von ihrer Abenteuerlust eingebüßt und sind nicht nur für Nostalgiker ein Lesegenuss. Viele diese Bücher zieren Zeichnungen des berühmten Pfadfindermalers Pierre Joubert. Das Logo der Spurbücher war ab 1949 ein stilisiertes Zelt in Form eines Dreiecks, 1964 kurzfristig abgelöst durch einen Wimpel, umgeben von der kreisförmigen Umschrift Spurbuch, die letzten Ausgaben (1966) ohne Signet.

Einige Ausgaben, vor allem die frühen Bücher von französischen Autoren (z.B. Serge Dalens) können nicht von dem Vorwurf, katholische Propaganda zu sein, freigesprochen werden. Das liegt allerding in der tiefen Religiösität der Autoren, deren Werke dann auch noch von katholischen Geistlichen (Adolf Hechelmann) übersetzt wurden. Verschiedene Kritiker bemängelten, dass durch diese Bücher viele Jungen mit Erwartungen an Abenteuer und Romantik zu den Pfadfindern gespült wurden, die in der Realität nicht erfüllt werden konnten.

Historische Reihe (Auswahl)

Vervollständigte Liste demnächst hier Von Interesse evtl. auch diese group

Neuere Reihe

Interessantes

Der vierfache Knabenmörder Jürgen Bartsch äußerte sich in Briefen aus der Haft an den Journalisten Charles P. Moor über Spurbücher, genauer über Der goldene Armreif von Serge Dalens. In seiner Psychose, immer ein Junge sein zu wollen, lobt er dieses Buch über alle Maßen: "Dies, wie ich meine, wunderbare Buch, war meine große Liebe.[...] Damals, das Buch gehörte nicht mir, und ich hatte kein Geld, und die Ferien waren bald vorbei [...], aber konnte ich ohne dieses Buch sein? Nein. Ich schrieb es Wort für Wort ab."<ref>Paul Moor: Selbstbildnis eines Kindermörders, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 2003, ISBN 3 499 61482 0</ref>

Prof. Walter Sauer (Reutlingen) konnte in einem Artikel den Eindruck erwecken, dass Jürgen Bartsch durch dieses Buch zumindest teilweise in seiner Triebrichtung bestärkt worden sei. Dies wurde von Lothar Sauer (abgedruckt in Jungens von damals) recht eingänglich widerlegt. Dort liest man unter anderem: "[...] (E)r selber sieht keine Verbindung zwischen [...] (den begangenen Verbrechen und dem Roman). Im Gegenteil: er berichtet sogar, das Buch habe ihm zum Ansporn gereicht, [...] sexuelle[...] Phantasien (Bartsch war ein bestialischer Triebtäter) eine Zeitlang zurückzudrängen und durch das Ideal einer edlen und reinen Freundschaft zu ersetzen. Dabei wäre es ihm ein leichtes gewesen, das Buch im Nachhinein zur Entschuldigung für seine Verbrechen heranzuziehen - er tat es mit keiner Silbe.[...]"<ref>Lothar Sauer: Jungens von damals, Achims Verlag 2009</ref>


Quellen

<references/>

Weblinks