Alfons Hamm

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Alo Hamm (trenk) um 1948
Alo Hamm (trenk)
Alfons Maria Hamm, (Alo Hamm) ( *17.08.1915 - † 02.07.1994 in Köln ). Fahrtenname trenk war ein Bundesführer, Dichter, Komponist und Liedschöpfer der Bündischen Jugend. Ordensgründer des Hanseatenordens im Nerother Wandervogel. Bundesgründer des Zugvogel Deutscher Fahrtenbund 1953. Schöpfer der Liedreihe Silberspring.


Jugendbewegte - Biografie

Die erste Begegnung mit der Jugendbewegung machte Alo Hamm 1927 als 12-Jähriger bei den Kolonialpfadfindern. Diese Kontakte löste er jedoch ziemlich schnell wieder auf, da ihm diese Gruppierung zu militärisch erschien. Er trat dann in die katholische Jugend in Köln ein und zwar anfangs in eine Jungschar-Gruppe.


1930, als Fünfzehnjähriger, wechselte Alo Hamm in die katholische Sturmschar, eine damals bündisch ausgerichtete Organisation innerhalb der katholischen Jugend. Von 1931 bis 1934 führte Alo Hamm zusätzlich eine katholische Jungschargruppe.


Als ab 1933 die Fahrtenbünde, unter ihnen auch die Sturmschar, gleichgeschaltet bzw. verboten wurden, trafen sich Sturmscharler und andere Bündischen aus Köln und Umgebung z.B. in der Schlichtenbacher Mühle, in der Jugendherberge Altenberg und besonders gerne in der Loosenau (bei Dabringhausen in Nordrhein-Westfalen). Zu ihnen gehörte regelmäßig auch Alo Hamm.


1936 gründete Alo Hamm mit Gerd Kittel (tarass, * 1920 - † 1986) und anderen Freunden eine illegale bündische Gruppe. Die Wochenenden wurden zu kleineren Fahrten in die nähere Umgebung genutzt. Und in der Woche traf man sich regelmäßig in der elterlichen Wohnung der Familie Hamm zu einem bündischen Singekreis, wobei teilweise die Fenster provokativ geöffnet wurden.

Die Kriegsjahre

Im Jahre 1937 wurde Alo Hamm zum Arbeitsdienst und 1938 zur Ableistung des Wehrdienstes eingezogen, von dem aus er direkt in den Krieg kam. Im Krieg war er zuerst in Frankreich und dann in Russland eingesetzt. Alo hatte kein Interesse daran, in der militärischen Hierarchie aufzusteigen. Er war anfangs Obergefreiter, am Schluss Unteroffizier. Überwiegend war er im Stab seines Regimentes beschäftigt, weil er eine schöne Handschrift hatte und Stenographie konnte. Nach dem Ende des Frankreich-feldzuges 1940 war Alo’s Einheit etwa ein halbes Jahr in Laval, der Domstadt an der Mayenne in West-Frankreich, einquartiert.

Dann wurde die Einheit von Alo Hamm nach Russland und zwar in den Mittelabschnitt verlegt. Auch in dieser Zeit war Alo Hamm weitgehend im Stab beschäftigt. Alo Hamm wurde im Krieg zwar nicht ernsthaft verwundet, zog sich aber eine ihn sehr belastende Trichinose zu. Das Kriegsende erlebte er in einem Stab bei Hannover.


Zu einem Schlüsselerlebnis wurden für Alo Hamm die Monate des so genannten Ritterkreises Mayenne 1940/41 in Laval. In Laval fanden sich 12 Bündische zu einer bündischen Singerunde in der Rue-Felix-Faure zusammen. Sie sangen dort in improvisierter bündischer Kleidung. Ihr Leitsatz wurde: „Ein Volk kann hoffen, solange seine Jugend bereit ist, die Fahne des Guten und Edlen zu heben, und willens ist, sie voran zu tragen“. Hier nahmen sich die Mitglieder dieser Runde vor, nach dem Krieg gegen Krieg und politische Jugendverführung aktiv zu werden. Leider fielen 11 dieser bündischen Ritter von Laval, nur Alo überlebte. Das Vermächtnis von Mayenne wurde für ihn eine Lebensbestimmung. Er wollte an die von den Nazis missbrauchten Begriffe „Treue, Ehre, Ritterlichkeit“ wieder anknüpfen und ihnen ihren ursprünglichen Wert zurückzugeben und damit der desorientierten Nachkriegsjugend eine Perspektive vermitteln.


Nach 1945 hat Alo Hamm versucht, in der katholischen Jugend als Gruppenführer wieder Fuß zu fassen. Ein Foto ist erhalten, das ihn als Führer einer neu gegründeten Wandervogelgruppe mit Namen „Neue Volkschaft“ kennzeichnet. Aber es muss bald zu Spannungen mit der offiziellen katholischen Jugendarbeit gekommen sein. Denn die katholische Kirche hatte für Alo Hamm nach 1945 vom traditionellen Wandervogelstil (bezüglich Kleidung, Fahrten, Lager, Lieder) zu deutlichen Abstand genommen.

Die Nerother-Zeit 1950 bis 1953

1950 ging Alo Hamm voller idealistischer Hoffnungen zum sich neu formierenden Nerother Wandervogel und gründete dort mit Freunden den "Orden der Hanseaten".

Aber auch im Nerother Wandervogel kam es nach einiger Zeit zu Spannungen. Alo Hamm hatte den Nerother–Bund gewählt, weil dieser ein Ritterbund ist und er seine Ideale dort am besten vertreten glaubte. Außerdem meinte er, dass ein Bund, dessen Bundesgründer Robert Oelbermann im KZ gestorben ist, den Nationalsozialismus und alle ähnlichen Nachfolgeerscheinungen am ehesten ablehnen würde. In Beidem sah sich Alo Hamm getäuscht und hat deshalb 1953 einen eigenen Bund, den Zugvogel, gegründet.

Gründung des Zugvogel Bundes

Am späten Abend des 28. August 1953 hatte Alo Hamm nahe dem Hohen Meißner, im Schatten der Burg Ludwigstein, auf der Sonnenkanzel am lodernden Feuer den neuen Bund ausgerufen. Sein Name: "Zugvogel, Deutscher Ritterbund von Laval".

Der Zugvogel war von Beginn an geprägt vom raubeinigen Charme seiner nerothanen Herkunft einerseits und andererseits von den musischen Einflüssen Alo Hamms. Er hat auch organisatorisch eine Reihe von bei den Nerothern bewährten Mustern in den Zugvogel übernommen, so das Barett als Wandervogel-Kopfbedeckung, den Stand des Knappen und des Ritters, die Binnenstruktur in Form der Orden, das Gelöbnis und eine Reihe von Liedern.

Alo Hamm war ein feinfühliger, sensibler und gleichzeitig kreativer Jugendführer gewesen, der eine hohe Ausstrahlung auf die Jüngeren, gehabt hat. Beeindruckt hat er durch seine Feuerreden und sein Erzähltalent. Seine Erzählweise und die Stimmung, welche durch Fabulieren, Dichten und Komponieren den Raum erfüllte, machten seinen Zuhörern die besungenen Abenteuer geradezu bildlich fassbar.

Als Alo Hamm den Kranich als Bundes-Symbol gewählt hatte, ist es wegen zu großer Ähnlichkeit mit dem neuen Lufthansa-Kranich zu einem strittigen Briefwechsel zwischen Alo Hamm und der Lufthansa gekommen. Wer mit diesem Streit um Urheberrechte angefangen hat, ist unklar. Vermutlich hat Alo zuerst bei der Lufthansa Beschwerde eingereicht. Aber da Alo seinen Kranich nicht hat patentieren lassen, hat er diese Auseinandersetzung verloren. Er musste den Kranich etwas umgestalten, durfte ihn aber im Prinzip durch das Entgegenkommen der Lufthansa behalten.

trenk war Bundesführer des Zugvogels von 1953 bis 1965.

136 eigene Lieder / Vertonungen

Lieder aus dem Geiste der Jugendbewegung. Das tönende Buch einer Fahrt

Silberspring - Klingende Chronik - Das tönende Buch einer Fahrt.

Schon früh fiel Alo’s musikalische Begabung auf. Alo Hamm hat bereits mit 15 Jahren begonnen, eigene Lieder zu machen. Am 13. März 1930 begründete er die Liederreihe „Der Silberspring“. Der auffällige Name ist eine typische Wortschöpfung Alo Hamm’s. Diese Bezeichnung fiel Alo ein, als er ein gleißendes Rinnsaal betrachtete, das auf einen Stein aufprallte und in einzelne Tropfen zerbarst. So wie diese Wassertropfen sollten vermutlich seine Lieder leuchten und glitzern.

Mit seiner musikalischen Kreativität schuf Alo Hamm ein umfangreiches Liedgut, das im Laufe der Jahre im Zugvogel zunehmend gesungen wurde, das aber zu Zeiten seiner aktiven Bundesführerzeit noch nicht diejenige Beachtung fand, die es verdient. Insgesamt entstanden 136 eigene Lieder und Vertonungen von Alo Hamm.

Alo Hamm verarbeitete alles, was ihn bewegte, begeisterte, interessierte, erschreckte, erschütterte, beglückte usw. in Liedform, so wie andere Menschen Erlebnisse in Worte, Verse oder in Farbe zu bewältigen versuchen. Es scheint oft ein Hinweis oder Stichwort genügt zu haben, um ihn für ein Lied, einen Liedteil oder einen Refrain zu inspirieren.


Rückblick

Was den Fahrtennamen “trenk’“ betrifft, den sich Alo selbst zulegt hat, so dürfte die Herkunft komplex sein. Einmal hat ihn der Film „Trenck, der Pandur“ mit Hans Albers in der Hauptrolle sehr begeistert. Dann hatte Alo in den 50-iger Jahren einen kurzen Briefwechsel u. a. mit dem Südtiroler Bergführer Luis Trenker, der sich bereits vor 1933 in der bündischen Jugend großer Beliebtheit erfreute und den Alo ebenfalls sehr verehrte. Aus beiden Quellen könnte sich Alo seinen Fahrtennamen zusammengefügt haben, nämlich von Luis Trenker den Wortstamm ohne „c“ und dann von „Trenck der Pandur“. Damit hat er die beiden bewunderten Personen, Hans Albers und Luis Trenker, in seinem Fahrtenamen berücksichtigt.

Alo Hamm brach an jedem Wochenende, wenn es das Wetter irgendwie zuließ, schon sehr früh zu kleineren und größeren Wanderungen auf. Bevorzugte Wanderregionen waren die Eifel, die Wahner Heide, und das bergische Land. Regelmäßige Auslandsreisen hat Alo nicht unternommen. Seine Phantasie führte ihn aber in die ganze Welt, seine Klampfe war das kleine Boot, mit dem er die Ströme der Welt bereiste.

Alo war sparsam und anspruchslos, er hat einfach gelebt und war immer hilfsbereit. Alkohol trank er wenig und dann in der Regel Rotwein. Er hat auch gelegentlich geraucht. Aber er hat angestrebt, dass seine minderjährigen Jungen auf Fahrt und Lager nicht rauchten und keinen Alkohol tranken.

Die Zeit nach der freiwilligen Niederlegung des Amtes als Bundesführer des Zugvogels im Jahre 1965 ist für Alo ein Lebensabschnitt mit einer immer schwerer werdenden Erkrankung gewesen. Dass es sich um Spätfolgen der Kriegs-Trichinose gehandelt hat, ist vermutlich auszuschließen. Als sein fortschreitender körperlicher Verfall es ihm unmöglich machte, weiter selbstständig zu leben, übernahm seine Mutter weitgehend für 14 Jahre seine Pflege.

Alo Hamm als links-orientierten Jugendführer zu klassifizieren und eventuell für eigene Absichten zu gebrauchen, entbehrt des realen Hintergrundes. Alo Hamm war zwar durch die Schrecken des Krieges erschüttert ein überzeugter Pazifist. Aber gleichzeitig vertrat er lebenslänglich innerlich einen bürgerlich-katholischen Werte-Kanon. Und er war ein anspruchsvoller Jugendführer. Er wollte einen besonders edlen Ritterbund, was ihm nicht immer Freunde brachte und was vermutlich nicht von allen Bündischen gerne zur Kenntnis genommen wurde und wird.


Alo Hamm (trenk) starb am 02.07.1994 im Alter von 78 Jahren. Er wurde auf dem Kölner Südfriedhof begraben.

Einige bekannte Lieder / Vertonungen

  • alles könnt ihr von mir haben (sachte, pferdchen)
  • am westermanns lönstief pfeift eisiger wind (tschiree)
  • auf weißer straß in sonnenglast, tippelino (jugoslawia)
  • der winter dahin und der sommer nicht mehr weit (retsina)
  • die pinte zum goldenen anker
  • droben am berg hockt der novembermann
  • durch tor der goldnen glocke (dalai lama)
  • er hatte sein ganzen leben lang (trekker gaff)
  • finnland, du land der tausend seen
  • frei macht die straßen, bildet spalier (ritterliches heer)
  • frei wie am himmel die vogelschar zieht
  • goldne sonne unsrer züge war robino (espana)
  • hei, ihr kleinen panjepferdchen
  • hej wie vorn der fetzen fliegt (bündische vaganten)
  • ich geb dir bis zum ostertor (geleit)
  • in gori kaseki am rande der straße
  • lass die finger springen auf dem schwarzen brett (im feuerkreis)
  • meine klampfe ist mein kleines boot
  • sonne, urwald, wüste, steppe quer durch afrika (kara ben nemsi)
  • ungezählte male hielten sie uns auf (lied der legion)
  • wenn die stern am himmel steigen (tanze tamara)
  • wenn wir in die nagelstiebel steigen
  • werft ab den schlaf, ein junger morgen erwartet unsre neue tat
  • wilde reiter, immer weiter auf der großen straßenleiter
  • wir fahren die dreimast oranje transvaal (seeräuber)
  • wir sind uns'res kaisers leitern und sproßen (general)
  • wir sitzen im rostigen haifisch

Liedreihe Silberspring

Liedrechte

136 eigene Lieder und Vertonungen von Alo Hamm (trenk) sind wenn nicht anders Vermerkt heute Eigentum des Zugvogel, Deutscher Fahrtenbund e.V.

Weblinks

Weitere Weblinks

  • Helmut König: Singen in den Bünden – Der Zupfgeigenhansl und seine Nachfolger. PDF
  • Helmut König: Über das Besondere am bündischen Singen. In: Idee und Bewegung. Ausgabe 82/83–89, 2008–2010 , ISSN: 1435-8883, (PDF-Datei; 0,3 MB).

Quellen

  • Alo Hamm, Bündische Biografie-Recherchen von Helmut Wurm, in scout-o-wiki.de mit Erlaubnis des Urhebers. (puschkin)
  • Bildveröffentlichung wurde 1982 von Alo Hamm freigegeben, das Foto ist heute im Archiv Bündisches-Audio.