Selbstreflexion

Aus Scout-o-wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Selbstreflexion ist eine Form von Reflexion, die sich allerdings nicht mit "etwas" befasst (z.B. einem Lager), sondern mit meinem persönlichen Verhalten und der Wirkung meiner Person auf Andere.

Die Selbstreflexion ist ein wesentliches Merkmal von Persönlichkeitsbildung und bei vielen Pfadfinderinnen und Pfadfindern weit verbreitet.

Selbstreflexion muss erst erlernt bzw. erarbeitet werden. Zwar ist es durchaus üblich, dass sich jeder Mensch Gedanken über sich selbst macht, dennoch ist die sich daraus ergebende Konsequenz oft halbherzig ("Man lügt sich selbst was vor.") oder einseitig (siehe Feedback).

Die Selbstreflexion

Immer und immer wieder überlegen wir die Frage: "Warum habe ich SO gehandelt, wie ich gehandelt habe?" Diese Frage ist wichtig und kann uns in unserer Entwicklung weiter bringen. Allerdings schließen sich Fragen an: "Wie wirke ich auf Andere?" - "Wie nehmen mich die Anderen wahr?" Und: stimmt das überein? Sehen mich die Anderen so, wie ich mich sehe? Was bekommen die Anderen von mir mit?

Jeden einzelnen, noch so kleinen, Abschnitt unseres Lebens können wir mit diesen und ähnlichen Fragen beleuchten. Wie habe ich mich persönlich auf diese Situation vorbereitet? Wie habe ich gehandelt? War mein Handeln gut? Habe ich etwas bewirkt? Habe ich eher gebremst? War ich flexibel in meinem Handeln? Bin ich Kompromisse eingegangen? Habe ich die Anderen berücksichtigt? Und die Wichtigste aller Fragen: Was lerne ich daraus?

Feedback zur Selbstreflexion

Eine wesentlich sensiblere, aber weitaus effektivere, Methode Selbstreflexion zu betreiben, ist das Einholen (aber auch das Geben) von Feedback. Dies funktioniert allerdings nur, wenn beide Seiten gewisse "Spielregeln" achten, um Verletzungen und Ärger zu vermeiden. Spielregeln sind z.B. die Freiwilligkeit, die Verwendung von Ich-Botschaften, die unbedingte Einbeziehung von Gefühlen, die Ehrlichkeit usw.

Feedback holen

Um zu erfahren, wie ich in einem bestimment Punkt, einer bestimmten Situation gewirkt habe, nehme ich Kontakt mit einem Gruppenmitglied auf und befrage dieses. Wie wurde ich wahrgenommen? Wie habe ich in seinen Augen gehandelt? Wie habe ich - seiner Meinung nach - auf die Gruppe gewirkt?

Das Feedback, welches mir der Andere gibt, bleibt so im Raum stehen. Ich verteidige mich nicht und rechtfertige mich nicht. Denn mein Gegenüber hat mich so, wie er es mir erzählt, warhgenommen - daran kann ich nichts ändern. Die Außenwirkung meiner Person ist eben nicht immer die Gleiche wie meine persönliche Innenansicht. Zum Abschluß bedanke ich mich für das Feedback und beide gehen außeinander.

Diese Form ermöglicht es, mir sympathische Menschen auszusuchen, die mir Feedback geben sollen. Menschen, denen vielleicht etwas auf dem Herzen liegt, kann ich ausschließen, indem ich sie einfach nicht auffordere mir ein Feedback zu geben. Natürlich kann jeder mir verweigern, mir ein Feedback zu geben.

Feedback geben

Eine fortgeschrittenere Variante ist es, jemandem ein Feddback zu geben, obwohl er mich nicht angefragt hat, ihn eines zu geben. Natürlich muss mein Gegenüber damit dennoch einverstanden sein, von mir etwas zu hören.

Diese Form ist manchmal sehr heikel, weil mir vielleicht Menschen ein Feedback geben wollen, von denen ich nichts hören will. Darin liegt aber gerade der Wert dieser Feedbackrunde. Eventuell bringt es mich wesentlich weiter in meiner Entwicklung, wenn mir eher fernstehende oder unsympathische Menschen einmal ehrlich meine Wirkung auf sie mitteilen - anstatt diese Meinung von mir Nahestenden zu hören, die mir möglicherweise auch das sagen, was ich hören will.

Konsequenzen

Am Ende einer jeden Selbstreflexion steht die Frage: "Was lerne ich daraus?" Für meine Person, für mein Verhalten, für mein Handeln.

Eine Reflexion - auch die Selbstreflexion - ist sinn- und nutzlos, wenn sich daraus keine Konsequenzen ergeben. Aber gerade dieser Punkt ist es, der die Selbstreflexion so schwer macht. Es gilt nämlich erkannte Schwächen, Fehler, Fehlverhalten nicht zu übergehen (der spinnt doch), andererseits aber auch nicht überzubewerten (ich bin ja so schlecht). Es gilt also in einer ruhigen Phase nach der Selbstreflexion bzw. Feedbackrunde auzusortieren. Vielleicht helfen dabei auch Notizen.

Wo sehen mich Andere so, wie ich tatsächlich bin? Kann ich Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Andere an mir sehen ausbauen? Kann ich evtl. diese Kompetenzen öfter in die Gruppe einbringen? Kann ich Andere in diesen Kompetenzen ausbilden?

Wo gibt es Divergenzen zwischen meiner Sicht und der Sicht der Anderen? Warum nehmen sie mich so wahr? Wo liegen meine Schwierigkeiten? Kann ich Fehler ausräumen? Wo liegen die Quellen dieser Fehler? Wer kann mir helfen, meine Schwächen aus dem Weg zu räumen? Was kann ich tun, damit die Anderen mich so wahrnehmen, wie ich tatsächlich bin?

Dadurch, dass das Feedback oft zwischen den Extremen (interessiert mich nicht - eine Welt bricht zusammen) schwankt, hat sich - quasi als Selbstschutz - ein Satz eingebürgert, der vieles relativiert. Aber auch er muss richtig verstanden werden: "Danke für das Feedback und ich tue damit was ich will"