Fahrtenlied: Unterschied zwischen den Versionen

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Ein '''Fahrtenlied''' ist ein Lied, das von [[Pfadfinder]]n, [[Wandervögel]]n oder anderen Angehörigen der deutschen [[Jugendbewegung]] gesungen wird. Im engsten Sinne bezeichnet es nur diejenigen [[Lied]]er, die von Angehörigen dieser Gemeinschaften für diese Gemeinschaften geschrieben und dort gesungen werden, im weitesten Sinne alles, was auf Wanderungen oder Fahrradtouren gesungen wird.
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[[Datei:Singewettstreit 1986.JPG|right|300px|thumb|Viersener Gruppe mit [[Mac]] (Links) auf dem Singewettstreit des Waldjugendbundeslagers 1986]]
 
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Ein '''Fahrtenlied''' ist ein Lied, das von [[Pfadfinder]]n, [[Wandervögel]]n, [[Jungenschaft]]en, oder anderen Angehörigen der deutschen [[Jugendbewegung]] auf [[Fahrt]] oder im Zusammenhang mit Fahrten gesungen werden. Im engsten Sinne bezeichnet es nur diejenigen Lieder, die von Angehörigen dieser Gemeinschaften für diese Gemeinschaften geschrieben und dort gesungen werden.
Das Wort ist vom Begriff [[Fahrt (Jugendbewegung)|Fahrt]] abgeleitet, der bei Pfadfindern und Wandervögeln eine Wanderung oder im weiteren Sinne das Unterwegssein in der Natur bezeichnet.
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==Liedinhalte==
 
==Liedinhalte==
 
Die Inhalte des Liedgutes sind durch die für die Jugendbewegung typischen Erlebnisinhalte und die Geschichte der Jugendbewegung geprägt.
 
Die Inhalte des Liedgutes sind durch die für die Jugendbewegung typischen Erlebnisinhalte und die Geschichte der Jugendbewegung geprägt.
  
Sie umfassen alle Erlebnisinhalte, die für das gemeinsame auf Fahrt gehen typisch sind, wie Naturerleben, gemeinsames Wandern, das Singen selbst, gegenseitige Unterstützung und typische Erlebnisse beim Umgang mit Außenstehenden. Außerdem kommen Lieder über Bevölkerungsgruppen und Subkulturen vor, die eine Lebensweise haben, die an das Fahrtenleben erinnert: Zigeuner, Wanderburschen (Handwerk).
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Sie umfassen somit alles, was für das gemeinsame auf Fahrt gehen typisch ist, wie Naturerleben, gemeinsames Wandern, das Singen selbst, gegenseitige Unterstützung und typische Erlebnisse beim Umgang mit Außenstehenden. Außerdem kommen Lieder über Bevölkerungsgruppen und Subkulturen vor, die eine Lebensweise haben, welche an das Fahrtenleben erinnert: Zigeuner, Vagabunden, Wanderburschen (Handwerk), Handwerker selbst, Kosaken, Savoyer, etc.
  
Auf Auslandfahrten wurden Lieder der besuchten Länder in das Liedgut der Bünde übernommen. So gehören zum Fahrtenliedschatz der Bünde Lieder aus den beliebten Fahrtenländern Norwegen, Schweden und Finnland, sowie in der Zeit der Weimarer Republik Russland und ebenso Lieder über diese Länder.
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Von Auslandfahrten wurden Lieder der besuchten Länder in das Liedgut der Bünde übernommen. So gehören zum Fahrtenliedschatz der Bünde Lieder aus den beliebten Fahrtenländern Norwegen, Schweden und Finnland, sowie in der Zeit der Weimarer Republik, Russland und ebenso Lieder über diese Länder.
  
 
===Entwicklung des Liedschatzes===
 
===Entwicklung des Liedschatzes===
 
====Der Zupfgeigenhansl====
 
====Der Zupfgeigenhansl====
Um 1900 entdeckte die Wandervogelbewegung das Volkslied neu. [[Hans Breuer]] veröffentlichte 1909 mit der [[Volkslied]]sammlung ''[[Zupfgeigenhansl]]'' das Liederbuch der Jugendbewegung. 1914 erschien die 10. und endgültige Auflage dieses Werkes, das bis 1933 in einer Auflage von weit über einer Million Exemplaren gedruckt und verbreitet wurde. Nach dem ersten Weltkrieg brachen die Bemühungen dieser Bewegung zunächst zusammen.
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Um 1900 entdeckte die [[Wandervogel]]bewegung das Volkslied neu. [[Hans Breuer]] veröffentlichte 1909 mit der Volksliedsammlung ''[[Zupfgeigenhansl]]'' das Liederbuch der Jugendbewegung. 1914 erschien die 10. und endgültige Auflage dieses Werkes, das bis 1933 in einer Auflage von weit über einer Million Exemplaren gedruckt und verbreitet wurde. Nach dem ersten Weltkrieg brachen die Bemühungen dieser Bewegung zunächst zusammen.
  
Die zweitwichtigste Quelle der bündischen Lieder ist interessanterweise relativ unbekannt – das ''[[Allgemeines Deutsches Kommersbuch|Allgemeine Deutsche Kommersbuch]]''. In ihrer Anfangsphase griffen die Wandervögel das Liedgut der Studenten auf. So sind beispielsweise viele Soldatenlieder, die um 1900 bekannt waren, in das bündische Liedgut aufgenommen worden, später entstandene dagegen nicht. „Sie haben Tod und Verderben gespien“ ist ein Beispiel.
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Die zweitwichtigste Quelle der bündischen Lieder ist interessanterweise relativ unbekannt – das ''Allgemeine Deutsche Kommersbuch''. In ihrer Anfangsphase griffen die Wandervögel das Liedgut der Studenten auf. So sind beispielsweise viele Soldatenlieder, die um 1900 bekannt waren, in das bündische Liedgut aufgenommen worden, später entstandene dagegen nicht. „Sie haben Tod und Verderben gespien“ (Text von Ferdinand Freiligrath ) ist ein Beispiel.
  
In den 1910er Jahren waren die Gedichte [[Börries von Münchhausen]]s Allgemeingut. Sie wurden vielfach vertont, unter anderem von [[Robert Götz]] das Lied „Jenseits des Tales“. Auch die Gedichte von [[Klabund]] wurden oft vertont. Viele Lieder aus der Zeit gab es mit verschiedenen Melodien. Die Verbreitung erfolgte mündlich. Überhaupt kann man die Liedgeschichte nicht allein an den Büchern festmachen.
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In den 1910er Jahren waren die Gedichte Börries von Münchhausens Allgemeingut. Sie wurden vielfach vertont, unter anderem von [[Robert Götz]] das Lied „Jenseits des Tales“. Auch die Gedichte von [[Klabund]] wurden oft vertont. Viele Lieder aus der Zeit gab es mit verschiedenen Melodien. Die Verbreitung erfolgte mündlich. Überhaupt kann man die Liedgeschichte nicht allein an den Büchern festmachen.
  
[[Fritz Jöde]] vertonte „Der Kleine Rosengarten“ und „Auf der Lüneburger Heide“ von Hermann Löns.
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Fritz Jöde vertonte „Der Kleine Rosengarten“ und „Auf der Lüneburger Heide“ von Hermann Löns.
  
 
====Weimarer Republik====
 
====Weimarer Republik====
Nach dem Krieg, in dem zahlreiche Wandervögel gefallen sind, gab es einen Neuanfang. Die [[Bündische Jugend]] im engeren Sinn entstand, die viele Lieder selbst schuf. Wichtige Bücher waren ''Der Spielmann'' des [[Quickborn]] und ''Kameraden Singt!'' von [[Robert Oelbermann]]. Der Jugendmusikpädagoge [[Walther Hensel]] hatte seine Hochzeit mit dem vielzitierten ''Singenden Quell'' und ''Stampedemi''. Über die Pfadfinder fand der ''Jungvolker'' Verbreitung.
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Nach dem Krieg, in dem zahlreiche Wandervögel gefallen sind, gab es einen Neuanfang. Die [[Bündische Jugend]] im engeren Sinn entstand, die viele Lieder selbst schuf. Wichtige Bücher waren ''[[Der Spielmann (Liederbuch)|Der Spielmann]]'' des Quickborn und ''Kameraden Singt!'' von [[Robert Oelbermann]]. Der Jugendmusikpädagoge [[Walter Hensel]] hatte seine Hochzeit mit dem vielzitierten ''Singenden Quell'' und ''Stampedemi''. Über die Pfadfinder fand der ''Jungvolker'' und ''[[Sankt Georg, Liederbuch deutscher Jugend]]'', Verbreitung.
  
Bekannt sind die ''Lieder der Eisbrechermannschaft'' aus der [[Jungenschaft|Deutschen Jungenschaft]]. Im damaligen Deutschland hatte man die Kämpfe in Russland zwischen den Weißen und den Roten aufmerksam verfolgt. Es entstanden zahllose Pseudo-[[Kosaken]]lieder und Eindeutschungen, aus gleicher Quelle auch die ''Soldatenchöre der Eisbrechermannschaft''.
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Bekannt sind die ''Lieder der Eisbrechermannschaft'' (1933) aus der [[Jungenschaft|Deutschen Jungenschaft]]. Im damaligen Deutschland hatte man die Kämpfe in Russland zwischen den Weißen und den Roten aufmerksam verfolgt. Es entstanden zahllose Pseudo-Kosakenlieder und Eindeutschungen, aus gleicher Quelle auch die ''Soldatenchöre der Eisbrechermannschaft'' (1934).
  
[[Eberhard Koebel]] mit [[Jungenschaft|dj.1.11]] regte die Nordland- und Russlandromantik an, die man heute noch in der Bündischen Jugend insbesondere im Liedgut wiederfindet. dj.1.11 führte außerdem die [[Kohte]], die [[Jurte]] und die [[Jungenschaftsbluse]] in die bündische Jugend ein.
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[[Eberhard Koebel]] mit der [[Jungenschaft|dj.1.11]] regte die Nordland- und Russlandromantik an, die man heute noch in der [[Bündisch]]en Jugend insbesondere im Liedgut wiederfindet. Die dj.1.11 führte außerdem die [[Kohte]], und die [[Jungenschaftsjacke]] in die bündische Jugend ein.
  
 
====Drittes Reich und zweiter Weltkrieg====
 
====Drittes Reich und zweiter Weltkrieg====
Dann warf der zweite Weltkrieg seine Schatten. ''Horch auf Kamerad'' und die ''Weiße Trommel'' von [[Hans Baumann]] erschienen. Hans Baumanns Lieder waren populär. Er traf den Nerv der Zeit und wurde von Bündischen wie von Nazis gleichermaßen vereinnahmt und nachher nicht verfemt. Das Liederbuch des sauerländischen Gebirgsvereins ''Unsere Lieder'' von [[Fritz Sotke]] war sehr verbreitet. Die ''Lieder der [[Südlegion]]'' entstanden noch in der Verbotszeit, auch ''Aus grauer Städte Mauern'' von Robert Götz. Die kirchlichen Gruppen wurden im Dritten Reich als letzte verboten und hatten daher am längsten die Möglichheit, Liederbücher zu drucken. ''Das Singeschiff'' und das ''Liederbuch St. Georg'' sind Standardwerke.
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Dann warf der zweite Weltkrieg seine Schatten. ''Horch auf Kamerad'' und die ''Weiße Trommel'' von [[Hans Baumann]] erschienen. Hans Baumanns Lieder waren populär. Er traf den Nerv der Zeit und wurde von Bündischen wie von Nazis gleichermaßen vereinnahmt und nachher nicht verfemt. Das Liederbuch des sauerländischen Gebirgsvereins ''Unsere Lieder'' von [[Fritz Sotke]] war sehr verbreitet. Die ''[[Lieder der Süd-Legion]]'' entstanden noch in der Verbotszeit, auch ''Aus grauer Städte Mauern'' von [[Robert Götz]]. Die kirchlichen Gruppen wurden im Dritten Reich als letzte verboten und hatten daher am längsten die Möglichheit, Liederbücher zu drucken.
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'''''Das Singeschiff''' - Lieder der katholischen Jugend, Jugendführungsverlag / Düsseldorf (1934)'' und das  
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''Liederbuch deutscher Jugend, '''Sankt Georg''' ''  aus dem [[Günther Wolff]] - Verlag (Gesamtausgabe 1931/35) sind Standardwerke.
  
 
====Nachkriegszeit====
 
====Nachkriegszeit====
Nach dem Zweiten Weltkrieg geschah ein Paradigmenwechsel. Elvis Presley änderte alles. Unter den Jugendlichen waren „Bündische“ eine immer kleiner werdende Subkultur. Das Liedgut wandelte sich; u.a. wurde das Liedrepertoire auch stärker durch ausländische Lieder (z. B. durch die Übersetzungen von [[Walter Scherf]], durch die [[Bürgerrechtsbewegung|Bürgerrechts]]- und [[Folk]]lorebewegung) beeinflusst und erweitert.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg geschah ein Paradigmenwechsel. Elvis Presley änderte alles. Unter den Jugendlichen waren „Bündische“ eine immer kleiner werdende Subkultur. Das Liedgut wandelte sich; u.a. wurde das Liedrepertoire auch stärker durch ausländische Lieder (z.B. durch die Übersetzungen von [[Walter Scherf]], durch die Bürgerrechts- und Folklorebewegung) beeinflusst und erweitert.
  
Die bei ihm verbliebenen Nutzungsrechte brachte Ludwig Voggenreiters Bruder Heinrich 1949 in den in Bad Godesberg neugegründeten [[Voggenreiter Verlag]] ein. Dort erschien 1952 ''Der Turm'', eine 1966 abgeschlossene Liedersammlung, die von Helmut König (helm) u.a. in 10 Ausgaben herausgegeben wurde und für viele Jahre das Standardwerk für bündisches Liedgut war. Es ist sein Verdienst, die vielen Lieder, die in der Verbotszeit nicht gedruckt werden konnten, zu sammeln und zu dokumentieren.
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Die bei ihm verbliebenen Nutzungsrechte brachte Ludwig Voggenreiters Bruder Heinrich 1949 in den in Bad Godesberg neugegründeten [[Voggenreiter Verlag]] ein. Dort erschien 1952 ''[[Der Turm]]'', eine 1966 abgeschlossene Liedersammlung, die unter anderem von [[Helmut König]] (helm) u.a. in 10 Ausgaben herausgegeben wurde und für viele Jahre das Standardwerk für bündisches Liedgut war. Es ist sein Verdienst, dass die vielen Lieder, welche in der Verbotszeit nicht gedruckt werden konnten, gesammelt und dokumentiert wurden.
  
Horst Fritsch gab ab 1948 im [[Südmarkverlag]] – zunächst in Loseblattform – die ''Liederblätter deutscher Jugend'' heraus, die anschließend in illustrierten Heftausgaben über Jahrzehnte fortgesetzt wurden und kontinuierlich neue Impulse für die Liedkultur brachten.
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Horst Fritsch gab ab 1948 im [[Südmarkverlag]] – zunächst in Loseblattform – die ''Liederblätter deutscher Jugend'' heraus, die anschließend in illustrierten Heftausgaben über Jahrzehnte fortgesetzt wurden und kontinuierlich neue Impulse für die Liedkultur brachten.
 
   
 
   
Später fanden die Liederbücher ''Der Schwarze Adler'' und ''Liederbock'' vielfach Verwendung. Es waren eher Sammlungen bewährter alter Lieder. In diesen Jahrzehnten entstanden zahlreiche weitere Liedsammlungen, die das Singen in den Bünden beeinflusste, z. B. die Hefte ''Weiße Straßen'' (1949) aus Kreisen der [[Jungenschaft]], ''Lieder von Mac'' von [[Erik Martin]] und ''Der Silberspring'' aus dem [[Zugvogel]]. Eine ausgezeichnete Zusammenstellung neuer und alter bündischer Lieder ist der 2007 erschienene ''Codex Patomomomensis''. Dieses Liederbuch weist auch für die meisten Lieder eine sorgfältig recherchierte Herkunftsgeschichte auf.
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Später fanden die Liederbücher ''[[Schwarzer Adler]]'' und ''[[Liederbock]]'' vielfach Verwendung. Es waren eher Sammlungen bewährter alter Lieder. In diesen Jahrzehnten entstanden zahlreiche weitere Liedsammlungen, die das Singen in den Bünden beeinflusste., z.B. die Hefte ''Weiße Straßen'' (1949) aus Kreisen der [[Jungenschaft]], ''Lieder von Mac'' von [[Erik Martin]] und ''Der [[Silberspring]]'' aus dem [[Zugvogel Deutscher Fahrtenbund]]. Eine ausgezeichnete Zusammenstellung neuer und alter bündischer Lieder ist der 2007 erschienene ''[[Codex Patomomomensis]]''. Dieses Liederbuch weist auch für die meisten Lieder eine sorgfältig recherchierte Herkunftsgeschichte auf.
  
 
==Gelegenheiten, bei denen gesungen wird==
 
==Gelegenheiten, bei denen gesungen wird==
Je nach Bund und Gruppe wird unterschiedlich häufig gesungen. In Bünden, in denen das Singen eine große Rolle spielt, kann im Tagesablauf zum Beispiel zu folgenden Gelegenheiten gesungen werden: Morgens singt eine Gruppe im Zeltlager zum Wecken. Sobald alle aufgestanden und angezogen sind, findet eine Morgenfeier statt, bei der man sich im Kreis versammelt; dabei wird ebenfalls gesungen, manchmal werden auch das eine oder andere Gedicht oder ein paar kurze Gedanken vorgetragen. Zusätzlich gibt es zur Einleitung und als Abschluss jeder Mahlzeit ein Lied. Wartezeiten werden durch spontanes Singen überbrückt. Schließlich versammeln sich abends alle am Lagerfeuer und singen noch stundenlang gemeinsam. Außerdem wird am Anfang und Ende von Veranstaltungen, Fahrten und Gruppenstunden sowie zu feierlichen Gelegenheiten gesungen. Wenn man von Außenstehenden Hilfe erhielt, bekommen sie zum Dank ein Lied vorgetragen.
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Je nach Bund und Gruppe wird unterschiedlich häufig gesungen. In Bünden, in denen das Singen eine große Rolle spielt, kann im Tagesablauf zum Beispiel zu folgenden Gelegenheiten gesungen werden: Morgens singt eine Gruppe im Zeltlager zum Wecken. Sobald alle aufgestanden und angezogen sind, findet eine Morgenfeier statt, bei der man sich im Kreis versammelt; dabei wird ebenfalls gesungen, manchmal werden auch das eine oder andere Gedicht oder ein paar kurze Gedanken vorgetragen. Zusätzlich gibt es zur Einleitung und als Abschluss jeder Mahlzeit ein Lied. Wartezeiten werden durch spontanes Singen überbrückt. Schließlich versammeln sich abends alle am [[Lagerfeuer]] und singen noch stundenlang gemeinsam. Außerdem wird am Anfang und Ende von Veranstaltungen, Fahrten und [[Gruppenstunde]]n sowie zu feierlichen Gelegenheiten gesungen. Wenn man von Außenstehenden Hilfe erhielt, bekommen sie zum Dank ein Lied vorgetragen.
  
 
Bei welchen Gelegenheiten gesungen wird, variiert von Bund zu Bund erheblich, doch zumindest das abendliche gemeinsame Singen und das Singen zu feierlichen Gelegenheiten gehören bei allen Pfadfindern, Wandervögeln und sonstigen Bündischen und jugendbewegten Gruppierungen dazu.
 
Bei welchen Gelegenheiten gesungen wird, variiert von Bund zu Bund erheblich, doch zumindest das abendliche gemeinsame Singen und das Singen zu feierlichen Gelegenheiten gehören bei allen Pfadfindern, Wandervögeln und sonstigen Bündischen und jugendbewegten Gruppierungen dazu.
  
Eine besondere Rolle in den Bünden spielen sogenannte „Singewettstreite“. Hierbei treten Gruppen zu einem Wettbewerb mit Liedvorträgen an. Der älteste und bekannteste überbündische Singewettstreit ist der ''Hamburger Singewettstreit''. Während er zu seinem Beginn (1955) von jungenschaftlichen Bünden dominiert wurde, prägen heute pfadfinderische Gruppen die jährliche Veranstaltung im „Audimax“ der [[Universität Hamburg|Hamburger Universität]].
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Eine besondere Rolle in den Bünden spielen [[Musikkultur#Singewettstreit|Singewettstreite]]. Hierbei treten Gruppen zu einem Wettbewerb mit Liedvorträgen an. Der älteste und bekannteste überbündische Singewettstreit ist der ''[[Hamburger Singewettstreit]]''. Während er zu seinem Beginn (1955) von jungenschaftlichen Bünden dominiert wurde, prägen heute pfadfinderische Gruppen die jährliche Veranstaltung im „Audimax“ der Hamburger Universität.
  
Typisch für das Singen in Bünden ist, dass viele Jugendbewegte Lieder in ihren eigenen handgeschriebenen Liederbüchern sammeln. Außerdem geben viele Bünde und [[Stamm (Pfadfinder)|Stämme]] eigene Liederbücher in Klein- und Kleinstauflagen heraus.
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Typisch für das Singen in Bünden ist, dass viele Jugendbewegte Lieder in ihren eigenen handgeschriebenen Liederbüchern sammeln. Außerdem geben viele Bünde und [[Stamm|Stämme]] eigene [[:Kategorie:Liederbuch|Liederbücher]] für den internen Gebrauch in Kleinstauflagen heraus.
  
==Bündische Liedermacher==
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==Liedschöpfer der Jugendbewegung==
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* [[Hans Baumann]]
* [[Hans Baumann]] [http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Baumann Wikipedia]  
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* [[Heinrich Eichen]] (heini)
 
* [[Walter Gättke]]
 
* [[Walter Gättke]]
* Alo Hamm (Trenk)
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* [[Georg Götsch]]
* Kurt Heerklotz (keh)
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* [[Robert Götz]]
* [[Werner Helwig]] (Hussa), [http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Helwig Wikipedia]
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* [[Alfons Hamm]], (Alo Hamm), (trenk)  
* Dietrich Hespers (Dirk)
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* [[Kurt Heerklotz]] (keh)  
* [[Eberhard Koebel]] (tusk), [http://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_Koebel Wikipedia]
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* [[Werner Helwig]] (hussa)  
* [[Kurt Kremers]] (turi) [http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Kremers]
+
* [[Dietrich Hespers]] (drikkes)
* [[Hans Kulla]] [http://de.wikipedia.org/wiki/Hans Kulla]
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* [[Adam Hofmeister]] (adam)
* [[Otto Leis]] (ottsch)
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* [[Arno Klönne]] (arno)
* [[Erik Martin]] (Mac), [http://www.muschelhaufen.de/uhnachweis.html Alle Lieder], [http://de.wikipedia.org/wiki/Erik_Martin Wikipedia]
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* [[Eberhard Koebel]] (tusk)  
* [[Rudi Rogoll]] Rudi Rogoll
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* [[Kurt Kremers]] (turi)  
* [[Walter Scherf]] (tejo) [http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Scherf Wikipedia]
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* [[Hans Kulla]]
* [[Erich Scholz]] (Olka), [http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Scholz Wikipedia]
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* [[Helmut König]] (helm)
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* [[Otto Leis]] (ottsch)  
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* [[Erik Martin]] (mac)  
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* [[Karl Christian Müller]] (teut)
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* [[Hans Riediger]]
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* [[Jürgen Riel]]
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* [[Rudi Rogoll]] (papi)
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* [[Walter Scherf]] (tejo)  
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* [[Siegfried Schmidt]]
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* [[Erich Scholz]] (olka)  
 
* [[Wilhelm Sell]]
 
* [[Wilhelm Sell]]
* Jürgen Sesselmann (Mayer)
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* Jürgen Sesselmann (mayer)  
* [[Alexej Stachowitsch]] (Axi), [http://de.wikipedia.org/wiki/Alexej_Stachowitsch Wikipedia]
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* [[Fritz Sotke]]
* [[Alfred Zschiesche]] (Alf)
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* [[Alexej Stachowitsch]] (axi)
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* [[Heinrich Steinhöfel]]
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* [[Horst Wesenberg]]
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* [[Alf Zschiesche]] (alf)
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* [[Georg Zierenberg]] (schorse)
  
 
==Lieder==
 
==Lieder==
Aufgeführt sind hier nur Fahrtenlieder im engeren Sinne, also Lieder, die sowohl oft in den Bünden gesungen werden als auch von Bündischen für diesen Zweck geschrieben wurden.
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* [[Kneipe vorm Moor]]  
* [[Wildgänse rauschen durch die Nacht]] (Walter Flex)
+
* [[Ty morjak]]
* [[Über meiner Heimat Frühling]] (tusk)
+
* [[Wenn der Abend naht]]
* [[Wenn der Abend naht]] (Mac)
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* [[Wir sind eine kleine verlorene Schar]]
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* [[Über meiner Heimat Frühling]]
  
 
==Siehe auch==
 
==Siehe auch==
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===Liederbücher===
 
===Liederbücher===
* ''Der Turm. Lieder der Jungen''. Herausgegeben von Konrad Schilling, [[Helmut König]], Herbert Hoss. Liederbuch in 10 Teilen. Voggenreiter Verlag. Bad Godesberg
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* ''[[Der Zupfgeigenhansl]]''. Herausgegeben von [[Hans Breuer]], 1909
* ''Liederbock''. Arbeitskreis des VCP Homburg.  
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* ''[[Sankt Georg, Liederbuch deutscher Jugend]]''. Herausgegeben von Walter Gollhardt, im Verlag [[Günther Wolff]] – Das junge Volk / i. Plauen, 1931 und 1935.
* ''Schwarzer Adler.'' Herausgegeben von Thomas Pfeffermann. Deutscher Pfadfinderbund Westmark e.V., Stamm Schwarzer Adler. 1982
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* ''[[Der Turm]]. Lieder der Jungen''. Herausgegeben von Konrad Schilling, [[Helmut König]], Herbert Hoss. Liederbuch in 10 Teilen. Voggenreiter Verlag. Bad Godesberg.
* ''Bulibu''. [[Deutscher Pfadfinderbund Mosaik|Deutscher Pfadfinderbund Westmark]]. Köln 1986
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* ''[[Liederbock]]''. Arbeitskreis des VCP Homburg.  
* ''[http://www.der-codex.de Codex Patomomomensis]'', Herausgegeben von Paul Rode (Momo) und Tim O. Becker (Pato). Zauberwaldverlag. 2007
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* ''[[Schwarzer Adler]]''. Herausgegeben von Thomas Pfeffermann. Deutscher Pfadfinderbund Westmark e.V., Stamm Schwarzer Adler. 1982.
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* ''[[Bulibu]]''. [[Deutscher Pfadfinderbund Mosaik|Deutscher Pfadfinderbund Westmark]]. Köln 1986.
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* ''[[Codex Patomomomensis]]'', Herausgegeben von Paul Rode (Momo) und Tim O. Becker (Pato). Zauberwaldverlag 2007.
  
 
==Weblinks==
 
==Weblinks==
*[http://www.singewettstreit.de www.singewettstreit.de – singewettstreit termine und tonarchiv der jugendbewegung]
+
*[http://buendisches-audio.sankt-pauli.net/ba/singewettstreittermine/termine.html Informationen über die großen Singewettstreite]
 +
*[[Bündisches-Audio]]; Ton-Archiv der Jugendbewegung.
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* [http://www.strubb.de/Singen%20in%20den%20Buenden.pdf  "Der Zupfgeigenhansl und seine Nachfolger" von Helmut König ( PDF)]
 +
* [http://www.liedervortrag.de Lieder als Zeitzeugen ihrer Epochen - Homepage von Dr. phil. Heinrich Schiller]
 +
*[http://www.hf.uni-koeln.de/data/musikeume/File/ad%20marginem/adm77.pdf Stefan Krolle: Die Liedtradierung innerhalb der Deutschen Jugendbewegung im Zeitraum von 1922 bis 1964: die Lieder der Burg Waldeck]
 
*[http://www.strubb.de/lieder.htm Linkliste: Verschiedene Fahrtenliedersammlungen im Internet]
 
*[http://www.strubb.de/lieder.htm Linkliste: Verschiedene Fahrtenliedersammlungen im Internet]
*[http://www.ludwigstein.de/beraeuner/index.htm Beräunertreffen (Treffen bündischer Liedermacher)]
+
*[http://www.burgludwigstein.de/Beraeunertreffen.141.0.html Beräunertreffen (Treffen bündischer Liedermacher)]
*[http://www.dornenherz.de/ www.dornenherz.de – Großes Liederbucharchiv, Suche nach Liedern und Büchern, Originalquellen alter Lieder, Komponisten, Autoren, Verlage, Volkslieder, Fahrtenlieder, Wandervogel.]
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*[http://www.dornenherz.de/ Großes Liederbucharchiv, Suche nach Liedern und Büchern, Originalquellen alter Lieder, Komponisten, Autoren, Verlage, Volkslieder, Fahrtenlieder, Wandervogel.]
*[http://www.lied-und-tonarchiv.de www.lied-und-tonarchiv.de – Liederarchiv des Wandervogel – Bund für Jugendfahrten e.V.]
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[[Kategorie:Lieder| ]]
 
[[Kategorie:Lieder| ]]
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[[Kategorie:Überbündisch]]
  
  
 
{{AusWikipedia|Fahrtenlied|Fahrtenlied}}
 
{{AusWikipedia|Fahrtenlied|Fahrtenlied}}

Aktuelle Version vom 15. Januar 2012, 10:38 Uhr

Viersener Gruppe mit Mac (Links) auf dem Singewettstreit des Waldjugendbundeslagers 1986

Ein Fahrtenlied ist ein Lied, das von Pfadfindern, Wandervögeln, Jungenschaften, oder anderen Angehörigen der deutschen Jugendbewegung auf Fahrt oder im Zusammenhang mit Fahrten gesungen werden. Im engsten Sinne bezeichnet es nur diejenigen Lieder, die von Angehörigen dieser Gemeinschaften für diese Gemeinschaften geschrieben und dort gesungen werden.

Liedinhalte

Die Inhalte des Liedgutes sind durch die für die Jugendbewegung typischen Erlebnisinhalte und die Geschichte der Jugendbewegung geprägt.

Sie umfassen somit alles, was für das gemeinsame auf Fahrt gehen typisch ist, wie Naturerleben, gemeinsames Wandern, das Singen selbst, gegenseitige Unterstützung und typische Erlebnisse beim Umgang mit Außenstehenden. Außerdem kommen Lieder über Bevölkerungsgruppen und Subkulturen vor, die eine Lebensweise haben, welche an das Fahrtenleben erinnert: Zigeuner, Vagabunden, Wanderburschen (Handwerk), Handwerker selbst, Kosaken, Savoyer, etc.

Von Auslandfahrten wurden Lieder der besuchten Länder in das Liedgut der Bünde übernommen. So gehören zum Fahrtenliedschatz der Bünde Lieder aus den beliebten Fahrtenländern Norwegen, Schweden und Finnland, sowie in der Zeit der Weimarer Republik, Russland und ebenso Lieder über diese Länder.

Entwicklung des Liedschatzes

Der Zupfgeigenhansl

Um 1900 entdeckte die Wandervogelbewegung das Volkslied neu. Hans Breuer veröffentlichte 1909 mit der Volksliedsammlung Zupfgeigenhansl das Liederbuch der Jugendbewegung. 1914 erschien die 10. und endgültige Auflage dieses Werkes, das bis 1933 in einer Auflage von weit über einer Million Exemplaren gedruckt und verbreitet wurde. Nach dem ersten Weltkrieg brachen die Bemühungen dieser Bewegung zunächst zusammen.

Die zweitwichtigste Quelle der bündischen Lieder ist interessanterweise relativ unbekannt – das Allgemeine Deutsche Kommersbuch. In ihrer Anfangsphase griffen die Wandervögel das Liedgut der Studenten auf. So sind beispielsweise viele Soldatenlieder, die um 1900 bekannt waren, in das bündische Liedgut aufgenommen worden, später entstandene dagegen nicht. „Sie haben Tod und Verderben gespien“ (Text von Ferdinand Freiligrath ) ist ein Beispiel.

In den 1910er Jahren waren die Gedichte Börries von Münchhausens Allgemeingut. Sie wurden vielfach vertont, unter anderem von Robert Götz das Lied „Jenseits des Tales“. Auch die Gedichte von Klabund wurden oft vertont. Viele Lieder aus der Zeit gab es mit verschiedenen Melodien. Die Verbreitung erfolgte mündlich. Überhaupt kann man die Liedgeschichte nicht allein an den Büchern festmachen.

Fritz Jöde vertonte „Der Kleine Rosengarten“ und „Auf der Lüneburger Heide“ von Hermann Löns.

Weimarer Republik

Nach dem Krieg, in dem zahlreiche Wandervögel gefallen sind, gab es einen Neuanfang. Die Bündische Jugend im engeren Sinn entstand, die viele Lieder selbst schuf. Wichtige Bücher waren Der Spielmann des Quickborn und Kameraden Singt! von Robert Oelbermann. Der Jugendmusikpädagoge Walter Hensel hatte seine Hochzeit mit dem vielzitierten Singenden Quell und Stampedemi. Über die Pfadfinder fand der Jungvolker und Sankt Georg, Liederbuch deutscher Jugend, Verbreitung.

Bekannt sind die Lieder der Eisbrechermannschaft (1933) aus der Deutschen Jungenschaft. Im damaligen Deutschland hatte man die Kämpfe in Russland zwischen den Weißen und den Roten aufmerksam verfolgt. Es entstanden zahllose Pseudo-Kosakenlieder und Eindeutschungen, aus gleicher Quelle auch die Soldatenchöre der Eisbrechermannschaft (1934).

Eberhard Koebel mit der dj.1.11 regte die Nordland- und Russlandromantik an, die man heute noch in der Bündischen Jugend insbesondere im Liedgut wiederfindet. Die dj.1.11 führte außerdem die Kohte, und die Jungenschaftsjacke in die bündische Jugend ein.

Drittes Reich und zweiter Weltkrieg

Dann warf der zweite Weltkrieg seine Schatten. Horch auf Kamerad und die Weiße Trommel von Hans Baumann erschienen. Hans Baumanns Lieder waren populär. Er traf den Nerv der Zeit und wurde von Bündischen wie von Nazis gleichermaßen vereinnahmt und nachher nicht verfemt. Das Liederbuch des sauerländischen Gebirgsvereins Unsere Lieder von Fritz Sotke war sehr verbreitet. Die Lieder der Süd-Legion entstanden noch in der Verbotszeit, auch Aus grauer Städte Mauern von Robert Götz. Die kirchlichen Gruppen wurden im Dritten Reich als letzte verboten und hatten daher am längsten die Möglichheit, Liederbücher zu drucken.

Das Singeschiff - Lieder der katholischen Jugend, Jugendführungsverlag / Düsseldorf (1934) und das Liederbuch deutscher Jugend, Sankt Georg aus dem Günther Wolff - Verlag (Gesamtausgabe 1931/35) sind Standardwerke.

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg geschah ein Paradigmenwechsel. Elvis Presley änderte alles. Unter den Jugendlichen waren „Bündische“ eine immer kleiner werdende Subkultur. Das Liedgut wandelte sich; u.a. wurde das Liedrepertoire auch stärker durch ausländische Lieder (z.B. durch die Übersetzungen von Walter Scherf, durch die Bürgerrechts- und Folklorebewegung) beeinflusst und erweitert.

Die bei ihm verbliebenen Nutzungsrechte brachte Ludwig Voggenreiters Bruder Heinrich 1949 in den in Bad Godesberg neugegründeten Voggenreiter Verlag ein. Dort erschien 1952 Der Turm, eine 1966 abgeschlossene Liedersammlung, die unter anderem von Helmut König (helm) u.a. in 10 Ausgaben herausgegeben wurde und für viele Jahre das Standardwerk für bündisches Liedgut war. Es ist sein Verdienst, dass die vielen Lieder, welche in der Verbotszeit nicht gedruckt werden konnten, gesammelt und dokumentiert wurden.

Horst Fritsch gab ab 1948 im Südmarkverlag – zunächst in Loseblattform – die Liederblätter deutscher Jugend heraus, die anschließend in illustrierten Heftausgaben über Jahrzehnte fortgesetzt wurden und kontinuierlich neue Impulse für die Liedkultur brachten.

Später fanden die Liederbücher Schwarzer Adler und Liederbock vielfach Verwendung. Es waren eher Sammlungen bewährter alter Lieder. In diesen Jahrzehnten entstanden zahlreiche weitere Liedsammlungen, die das Singen in den Bünden beeinflusste., z.B. die Hefte Weiße Straßen (1949) aus Kreisen der Jungenschaft, Lieder von Mac von Erik Martin und Der Silberspring aus dem Zugvogel Deutscher Fahrtenbund. Eine ausgezeichnete Zusammenstellung neuer und alter bündischer Lieder ist der 2007 erschienene Codex Patomomomensis. Dieses Liederbuch weist auch für die meisten Lieder eine sorgfältig recherchierte Herkunftsgeschichte auf.

Gelegenheiten, bei denen gesungen wird

Je nach Bund und Gruppe wird unterschiedlich häufig gesungen. In Bünden, in denen das Singen eine große Rolle spielt, kann im Tagesablauf zum Beispiel zu folgenden Gelegenheiten gesungen werden: Morgens singt eine Gruppe im Zeltlager zum Wecken. Sobald alle aufgestanden und angezogen sind, findet eine Morgenfeier statt, bei der man sich im Kreis versammelt; dabei wird ebenfalls gesungen, manchmal werden auch das eine oder andere Gedicht oder ein paar kurze Gedanken vorgetragen. Zusätzlich gibt es zur Einleitung und als Abschluss jeder Mahlzeit ein Lied. Wartezeiten werden durch spontanes Singen überbrückt. Schließlich versammeln sich abends alle am Lagerfeuer und singen noch stundenlang gemeinsam. Außerdem wird am Anfang und Ende von Veranstaltungen, Fahrten und Gruppenstunden sowie zu feierlichen Gelegenheiten gesungen. Wenn man von Außenstehenden Hilfe erhielt, bekommen sie zum Dank ein Lied vorgetragen.

Bei welchen Gelegenheiten gesungen wird, variiert von Bund zu Bund erheblich, doch zumindest das abendliche gemeinsame Singen und das Singen zu feierlichen Gelegenheiten gehören bei allen Pfadfindern, Wandervögeln und sonstigen Bündischen und jugendbewegten Gruppierungen dazu.

Eine besondere Rolle in den Bünden spielen Singewettstreite. Hierbei treten Gruppen zu einem Wettbewerb mit Liedvorträgen an. Der älteste und bekannteste überbündische Singewettstreit ist der Hamburger Singewettstreit. Während er zu seinem Beginn (1955) von jungenschaftlichen Bünden dominiert wurde, prägen heute pfadfinderische Gruppen die jährliche Veranstaltung im „Audimax“ der Hamburger Universität.

Typisch für das Singen in Bünden ist, dass viele Jugendbewegte Lieder in ihren eigenen handgeschriebenen Liederbüchern sammeln. Außerdem geben viele Bünde und Stämme eigene Liederbücher für den internen Gebrauch in Kleinstauflagen heraus.

Liedschöpfer der Jugendbewegung

Lieder

Siehe auch

Quellen

Literatur/Quellen

  • Wolfgang Kaschuba: Volkslied und Volksmythos. Der „Zupfgeigenhansl“ als Lied- und Leitbuch der deutschen Jugendbewegung. Jahrbuch für Volksliedforschung, 34. Jahrg., 1989
  • Wolfgang Lindner: Jugendbewegung als Äußerung lebensideologischer Mentalität. Verlag Dr. Kovac. Hamburg 2003. ISBN 3-8300-0886-4 (kostenloser Volltext)
  • Helmut König: Singen in den Bünden – „Der Zupfgeigenhansl und seine Nachfolger“. PDF
  • Zusammenfassung des Autors von http://www.dornenherz.de/ über seine Erkenntnisse aus seiner Liederbuchsammlung als Grundlage für diesen Artikel

Liederbücher

Weblinks


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